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Fachtag Inklusion – Gemeinsame Bildung von Anfang an

Zweiter digitaler Fachtag der Mitarbeiter*innen der städtischen Kitas

„Inklusion – gemeinsame Bildung von Anfang an“ lautete der Titel der Veranstaltung. Nicht ohne Grund: Die städtischen Kitas haben sich als Jahresziel gesetzt, die Einrichtungskonzeptionen mit einem Blick durch die „inklusionspädagogische Brille“ zu überarbeiten. Inklusion ist in aller Munde und wird in den Einrichtungen gelebt. Inklusion hat immer etwas mit der eigenen Haltung zu tun. Doch wie sieht es mit der Haltung der Mitarbeitenden aus? Welche Werte prägen das Leitbild und das pädagogische Handeln in Bezug auf Vielfalt?

Ali Dogan, erster Beigeordneter der Stadt Sankt Augustin, betonte in seinem Gruß-wort, wie wichtig die ersten Jahre für den Bildungsweg der Kinder sind. Er bedankte sich ausdrücklich bei den fast 100 teilnehmenden pädagogischen Fachkräften für ihre gute Arbeit, gerade auch in diesen herausfordernden Zeiten.
Daniela Machein, Leiterin des Fachdienstes Frühkindliche Bildung, verwies auf den Aktionsplan Inklusion, der in der Stadt Sankt Augustin in diesem Jahr überarbeitet wird. Inklusion und die damit verbundenen formalen Rahmenbedingungen, so stellte sie dar, sollen in den Kitas mit Leben gefüllt werden.
Andrea Platte, Professorin für Bildungsdidaktik an der Fakultät für Angewandte Sozialwissenschaften der Technischen Hochschule in Köln, machte in ihrem Impulsvortrag deutlich, dass Inklusion auf vielen Ebenen stattfindet. Dabei sei dies immer an den Menschenrechten orientierte Bildung. Es bedarf der Professionalisierung der Frühpädagogik und der Anerkennung der pädagogischen Profession. Ein Begegnen auf Augenhöhe aller an Inklusion beteiligten Akteure zum Wohl der Kinder wurde von ihr gefordert.

Dank der Möglichkeit die große Gruppe in „Breakout Sessions“ zu teilen, konnten die Teilnehmenden in kleineren Gruppen am Leitbild der Einrichtung arbeiten. Grundlage eines jeden Leitbildes ist die Menschenwürde. Edith Bernhard, Fachberaterin im Fachdienst Frühkindliche Bildung, verwies dabei auf ein Zitat von Janusz Korczak: „Kinder werden nicht erst zu Menschen, sie sind bereits welche“. Das heißt für die Arbeit in den Kitas, jedes Kind, egal welcher Herkunft, welchen Geschlechts, welchen kulturellen Hintergrunds, welcher Beeinträchtigung hat ein Recht auf Achtung seiner Würde als Mensch.
In den Teams wurde zuerst überlegt, welche Werte sind uns wichtig? Respekt, Empathie, Achtsamkeit, Fröhlichkeit und viele weitere Werte wurden für das Leitbild gesammelt. Auf diese haben sich alle verständigt und diese bilden die Basis für die Einrichtungskonzeptionen. Volle Teilhabe für alle wird als oberstes Ziel benannt.

Der zweite Teil der Veranstaltung widmete sich der Biografiearbeit, denn das, was den einzelnen pädagogisch Mitarbeitenden als Kind geprägt hat, wirkt sich auf die Haltung aus. Edith Bernhard stellte dar, dass Haltung maßgeblich das subjektive Denken und Handeln mitbestimmt. Allerdings kann bereits gereifte Haltung durch Reflexion und Auseinandersetzung mit sich und seiner Umwelt geändert werden. Deshalb waren alle Teilnehmenden eingeladen, sich in kleinen Gruppen über Fragen wie, was hat mich als Kind geprägt und mit welchen Vorurteilen wurde ich als Kind konfrontiert und was davon lebe ich noch heute in der Praxis, auszutauschen. In den folgenden Breakout-Sessions der acht Kita-Teams ging es darum, von der persönlichen Biografie hin zu einer professionellen Haltung zu gelangen. Wo zeigt sich bei uns in der Kita eine professionelle Haltung in Bezug auf Inklusion und was wollen wir noch ändern, wurde dabei erörtert.

Zum Abschluss des Fachtages freuten sich alle über den kabarettistischen Vortrag von Rainer Schmidt. Er erfreute alle mit Geschichten aus dem eigenen Leben als Körperbehinderter. Inklusion, so stellte er dar, ist die Kunst des Zusammenlebens von sehr vielen verschiedenen Menschen. Oder wie man im Rheinland sagt „Jeder Jeck ist anders“. Aus Sicht eines Betroffenen machte er Mut dazu. „Du darfst etwas falsch machen“. Inklusion heißt auch, wir haben Respekt vor Überforderung. Alle Menschen sollten füreinander da sein und Lösungen finden. In den Kitas bedeutet dies aus seiner Sicht zu überlegen, was müssen wir tun, damit jedes Kind mitmachen kann? Kita sollte ein Lebensraum sein, in dem jedes Kind als Individuum mit seinen Stärken gesehen wird. „Das Leben soll allen Spaß machen“ waren seine abschließenden Worte. Spaß gemacht haben die humorvollen Ausführungen von Rainer Schmidt. Er brachte alle am Ende des digitalen Fachtages zum Schmunzeln. Was für ein gelungener Abschluss!

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