Gespinstmotten: Harmlose Verpackungskünstler

Ihre Kunstwerke muten ebenso dramatisch wie gespenstisch an, denn sie verpacken ganze Bäume und Sträucher mit einem silbrig glänzenden Gespinst. Darunter fressen sie die Äste kahl. Die Raupen einiger Gespinstmottenarten (mit dem wissenschaftlichen Gattungsnamen Yponomeuta) leisten auf diese Weise regelmäßig im späten Frühjahr ganze Arbeit. So auch seit kurzem in unserer Region.

Dass die befallenen Gehölze diese Verpackung nach Manier des Künstlers Christo zumeist unbeschadet überstehen, scheint vielen unglaublich. Regelmäßig nimmt Biologin Birgit Dannefelser vom Büro für Natur- und Umweltschutz der Stadt Sankt Augustin derzeit Telefonate oder Emails von aufmerksamen Bürgerinnen und Bürgern entgegen, die sich um die Gewächse in Stadt und Landschaft sorgen. Die verschiedenen Gespinstmottenarten sind jeweils auf einzelne Futterpflanzen spezialisiert. Vor allem Traubenkirschen, die von der Traubenkirschen-Gespinstmotte befallen sind, sieht man im Sankt Augustiner Stadtgebiet. Aber auch Weißdorn, Pfaffenhütchen, Pappeln oder Weiden sind bisweilen eingesponnen.

„Den seidigen Schleier spinnen die kleinen Raupen, um sich vor Fressfeinden wie Vögeln oder Witterungseinflüssen wie Regen zu schützen“, erklärt Dannefelser . Unter dem Schleier leben die Raupen gesellig und fressen bis etwa Mitte Juni den befallenen Baum kahl. Dann wandern sie zum Stammfuß, wo sie sich im Schutz des Gespinstes verpuppen. Anfang Juli schlüpfen bereits die zwei Zentimeter kleinen, weißen, schwarz-gepunkteten Falter der Traubenkirschen-Gespinstmotte. Nach der Paarung legen diese ihre Eier wieder an den Knospen der Traubenkirsche ab, wo sie bis zum nächsten Frühjahr geschützt überdauern. Zum Glück kann die Biologin beruhigende Aufklärungsarbeit leisten: „Das Fraßverhalten der Gespinstmotte sieht eindrucksvoll aus, wirklich gefährlich ist es aber für die befallenen Bäume und Sträucher nicht. Auch wird keinerlei Bekämpfung der Larven durchgeführt. Mit dem Neuaustrieb der Pflanzen Ende Juni („Johannistrieb“) kann ein gesundes Gewächs diesem Angriff widerstehen und wieder ergrünen.“ So wird man also schon bald nicht mehr erkennen können, dass sie Gehölze befressen worden sind. Beruhigend, wenn man der Natur ihren Lauf lassen kann.



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