Ehemalige Gaststätte „Haus Lichtenberg“
Geschichte
Haus Lichtenberg, auch als „Gaststätte Helikum“ bekannt, galt als älteste und zeitweise bedeutendste Gaststätte in Niedermenden.
Im Jahr 1836 wird Wilhelm Hamacher als Schenkwirt in der Steuerliste unter die Adresse „Niedermenden Haus No. 33“ geführt. Er war von Wahn nach Niedermenden gekommen und heiratete in zweiter Ehe „ins Dorf“ ein (er heiratete noch ein weiteres Mal und überlebte seine drei Frauen). Es muss hier schon im Vorfeld ein landwirtschaftlicher Betrieb stattgefunden haben – dieser ist jedoch nicht nachweisbar.
Ab 1850 stand, ob als Pächter oder Eigentümer, Franz Honrath in der Steuerliste der Gastwirte. Nur vier Jahre später übernahm Peter Lichtenberg die Gaststätte und gab dem Haus seinen Namen. Peter Lichtenberg war von Beruf Bäcker und Wirt und im Jahr 1833 26 Jahre alt. Er heiratete Margaretha Noog, mit der er neun Kinder bekam.
1883 übernahm der älteste Sohn Wilhelm Lichtenberg die Gaststätte. Tanzveranstaltungen fanden zu seiner Zeit auf der ersten Etage statt. Er war verheiratet mit Agnes Hilgers, gemeinsam hatten sie vier Kinder. Das Haus war damals als „Niedermenden – Gast- und Schenkwirtschaft No.18“ angemeldet.
1888 wurde als Tanzsaal für die Gastwirtschaft der gegenüberliegende Ziegelbau errichtet, das heutige „Haus Menden“, der später im Untergeschoss mit einer Kegelbahn ausgestattet wurde. Während des Ersten Weltkrieges diente das Haus Menden zeitweise als Lazarett, nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlingsunterkunft.
Als Wilhelm Lichtenberg 1923 starb, übernahm zunächst seine Frau Agnes das Geschäft mit ihren Kindern. 1926 übergab sie die Geschäfte an ihre Töchter Maria Lichtenberg, Witwe von Heinrich Helikum (10 Kinder), und ihre Schwester Helene Lichtenberg.
Von 1951 bis 1981 lief die Gastwirtschaft unter „Erben Helikum“ geführt von Clara Helikum (verheiratete Bläsgen) und ihrer Schwester Margarethe Helikum (verheiratete Krug). Die Gastwirtschaft wurde zuletzt ab 1982 von deren Nichte Hedwig Kley (geb. Helikum) bis zur Schließung im Jahr 2023 geführt.
Früher waren „man geht zur Clara ein Bier trinken“ oder „man trifft sich bei Clara“ in Menden geflügelte Worte. Später hieß es dann „komm wir gehen zur Hedi“. Egal ob man vom Fußballplatz, von den Schützen oder von einer Karnevalsveranstaltung kam, auf dem Weg nach Hause kehrte man häufig noch im Haus Lichtenberg ein. Gleiches galt, wenn das „Haus Menden“ um 22 Uhr geschlossen wurde.
Eine Besonderheit: Wollten insbesondere Kinder in den 1960/70ern ein Eis oder Süßigkeiten, mussten sie nur ans hintere Fenster klopfen, „Margaretchen“ holte dann die gewünschten Waren und reichte sie gegen Bezahlung durchs Fenster.
Daten
Karte
Referenz
Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin:




