Könsgenhof
Geschichte
Hufeisenförmige Fachwerk-Hofanlage. Das traufständige Fachwerkgebäude wurde Anfang des 19. Jahrhunderts in Geschossbauweise mit Durchfahrt zum Hof errichtet. In der Urkarte von 1826 ist es bereits eingezeichnet. Auf dem Grundstück südlich hinter dem Könsgenhof steht noch das deutlich ältere Fachwerkhaus einer ehemaligen Hofanlage aus dem 18. Jahrhundert. Der Standort an der damaligen „Ortsstraße“ in Obermenden gehörte zur baulichen Verdichtung von Obermenden um den nahegelegenen Fronhof herum. Im Verlauf des späten 19. Jahrhunderts wurde diese ursprüngliche Bebauung an der späteren „Siegburger Straße“ in Richtung Westen durch Backsteinhäuser erweitert.
Die innere Aufteilung des einraumtiefen Dreiraumhauses an der Straßenfront ist weitgehend unverändert. Auch der Dachstuhl ist aus der Bauzeit erhalten. Alle Räume weisen eine „Kölner Decke“ (lehmumputzte Holzbalkendecke) auf.
Der Hof war mindesten 170 Jahre lang im Besitz der Familie Könsgen, aus der auch die im Obermendener Nachbarbuch von 1662 erwähnten Schöffen und Ortsvorsteher, der Wirt der Gaststätte “Zur Siegfähre“ und vier Generationen von Bäckern hervorgingen. Dazu gehörte ebenfalls der in Menden bis in die 1970er Jahre unter dem Namen „Könsgens Scheng“ (Jean) bekannte Besitzer des Könsgenhofs Johann Josef Könsgen.
Bei der Renovierung, die in zwei Etappen 2013-2014 und 2017-2018 stattfand, fanden sich Hinweise, dass die Hofanlage wesentlich weiter in die Vergangenheit zurückreichen könnte als die Erbauungszeit des jetzigen Fachwerkhauses. Nach Auskunft des heutigen Besitzers gehörten zur Hofanlage noch weitere Nebengebäude. Zum Beispiel eine Backstube, unter der er bei der Restaurierung zwei alte Schamottfelder fand, sowie einen Brunnenschlag im Hof. Man fand auch einen Gewölbekeller mit zwei Belüftungen, sowie Fußböden aus Rheinkieseln (Kieselsteinpflaster, Kieselestrich) etwa 60 cm unter Bodenhöhe. All dies könnte auf ein deutlich älteres Vorgängergebäude hindeuten. Auch das Mehllager mit Flaschenzug war noch erkennbar.
Seit Ende der 1960er Jahre war die Fachwerk-Fassade bis zur Renovierung mit den damals verbreiteten Eternit-Platten verkleidet.
Nach Auskunft aus der Familie Könsgen wurde der Backofen der Bäckerei zunächst mit Holz befeuert, später dann mit Öl, weshalb im Hof ein Öltank errichtet wurde. Die alteingesessene Obermendener Bäckerei Könsgen verkaufte ihre Backwaren zunächst aus dem Haus heraus, dann in einem Geschäft einige Häuser weiter in der Siegburger Straße und danach in der heutigen Karl-Schurz-Straße 4. Ab 1965 wurde für Backstube und Geschäft ein neuer Standort in der damaligen Bahnhofstraße (heute Von-Galen-Straße) bezogen. Die Landwirtschaft wurde danach weitgehend aufgegeben.
Daten
Karte
Referenz
Vogt-Werling, Marianne/Werling, Michael: Denkmalpflegeplan für die Stadt Sankt Augustin [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Geschichte in Sankt Augustin, Band 1], Sankt Augustin 2017, S. 65 und 67 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S01C 2A).
Mündliche Angaben des Eigentümers und der Familie Könsgen.
Das Nachbarbuch von Obermenden von 1662 (in der Abschrift von 1781), Stadtarchiv Sankt Augustin, SGA 345.
Urriss und Urkarte Obermenden Flur 8 von 1826, Stadtarchiv Sankt Augustin, KP 3378-d, Originale im Katasteramt des Rhein-Sieg-Kreises.
Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin:





