Rekonstruktion des Niederpleiser Pestkreuzes
Geschichte
Den Hintergrund zur Rekonstruktion des Pestkreuzes bildet ein im Jahr 1707 in Niederpleis erfolgter Ausbruch einer umgangssprachlich als „Pest“ bezeichneten Seuche, wahrscheinlich einer Viehseuche. Als sich die Einwohner von Niederpleis in ihrer Not an den Heiligen Antonius von Padua (um 1195-1231) wandten, verschwand die Seuche. Zum Dank und zur Erinnerung an dieses Ereignis errichtete man um 1708 an der Ecke Hauptstraße/Pleistalstraße ein Wegekreuz, das auch als Pestkreuz bezeichnet wurde. Gleichzeitig begann die Verehrung des Heiligen Antonius von Padua in Niederpleis, die hier bis heute einen besonderen Stellenwert besitzt.
Im Laufe der 1820er Jahre war das aus Holz gefertigte Kreuz wohl derart stark beschädigt, dass sich die Eheleute Gottfried Heyder (1783-1835) und Anna Katharina Becker (1789-1867), zu dieser Zeit Besitzer des Jesuitenhofs und der sich damals direkt gegenüber befindenden Gaststätte Heyder (Hauptstraße 50), zur Stiftung eines neuen Wegekreuzes an gleicher Stelle entschlossen. Die Errichtung dieses nun aus Stein gefertigten Kreuzes erfolgte im Jahr 1827.
Am 15. Juli 1936 wurde das Kreuz durch einen schweren Verkehrsunfall, an dem ein Lastkraftwagen beteiligt war und bei dem eine junge Frau aus Birlinghoven verstarb, nahezu vollständig zerstört. Von diesem Kreuz sind nur zwei Fragmente erhalten geblieben: Der Mittelblock mit dem Relief des Heiligen Antonius von Padua, der um 1936/37 in die westliche Giebelwand des Hauses Hauptstraße 41 eingemauert wurde, und das Kreuz mit dem Corpus Christi und dem Totenschädel zu dessen Füßen, das sich seit 1966 im Inneren der damals neuen Antoniuskapelle (Ecke Antoniusstraße/Bönnscher Weg), ebenfalls in eine Wand eingemauert, befindet.
Nach der Zerstörung des Pestkreuzes strebten die Einwohner von Niederpleis die zügige Errichtung einer an das Original angelehnten Rekonstruktion an, die nun jedoch an einem verkehrsberuhigten Platz stehen sollte. Die Einsegnung dieses neuen Kreuzes erfolgte am 13.06.1937, dem Festtag des Heiligen Antonius von Padua, der 1231 in Arcella bei Padua verstorben ist.
Die Inschrift des Kreuzes lautet:
"Kreuz u. Leid der Wanderer ist der Weg zum Himmel kein anderer. 1707 als diese Gemeinde die Pest anfiel wurde aber gleich wieder vertrieben, als man zum Gekreuzigten Zuflucht nahm[.] der Heilige Antonius wie bekannt reichte uns seine wunderbare Hand darum wurde dieser zu unserem Schutzpatron erwählt damit seine Hülfe uns nimmer fehlt[.] Erneuert im Jahre 1937"
Im Mittelteil der Inschrift (von „1707“ bis „Zuflucht nahm“) scheint ein Teil des ursprünglichen Textes zu fehlen. Sehr wahrscheinlich war die Inschrift des Kreuzes von 1827 bei dem Verkehrsunfall 1936 derart stark beschädigt worden, dass eine vollständige Rekonstruktion nicht mehr möglich gewesen ist.
Daten
Karte
Referenz
Hartleib, Robert: Das Kirchspiel Niederpleis, Siegburg 1986, S. 81 f. u. 98 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S Hart1A).
Schumacher, Wilhelm: Familienbuch 1739-1875 für die Stadtteile Buisdorf, Mülldorf und Niederpleis, Siegburg 1988, S. 92 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S06AC Nied1).
Stadtarchiv Sankt Augustin, Akte: „Sammlung von Spenden für die Antonius-Kapelle in Niederpleis (1963–1965)“ (Stadtarchiv Sankt Augustin, ME 1471).
Stadtarchiv Sankt Augustin, Bauakte: „Freie Buschstr. o.A., Erneuerung eines Pestkreuzes, 1937“ (Stadtarchiv Sankt Augustin, BAU 7441).
Stadtarchiv Sankt Augustin, Zeitungssammlung: Siegburger Zeitung vom 16.07.1936, Artikel: „Wieder 2 tödliche Unfälle im Siegkreis – Entsetzliches Unglück in Niederpleis“.
Stadtarchiv Sankt Augustin, Zeitungssammlung: Westdeutscher Beobachter, Ausgabe für Bonn und Siegburg v. 16.07.1936, Artikel: „Steigende Unglückskurve im Siegkreis – Zwei Tote und ein Schwerverletzter an einem Tag“.
Stadt Sankt Augustin (Hg.): Denkmalpflege in Sankt Augustin (Städtebau im Gespräch, Bd. 3), Sankt Augustin 1990, S. 60 u. 62 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S02A Denk1A).
Vogt-Werling, Marianne/Werling, Michael: Denkmalpflegeplan für die Stadt Sankt Augustin [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Geschichte in Sankt Augustin, Band 2), Sankt Augustin 2017, S. 103, 191 u. 543 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S01C 2A).
Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin:





