Antoniuskapelle
Geschichte
Die Verehrung des heiligen Antonius von Padua (1195-1231) blickt in Niederpleis auf eine lange Tradition zurück. Als der Ort 1707 wahrscheinlich von einer Viehseuche heimgesucht wurde, wandten sich die Bewohner in ihrer Not an den heiligen Antonius. Das Wunder geschah und die sogenannte „Pest“ erlosch. Dem Heiligen zu Ehren stellten die Niederpleiser ein Wegekreuz („Pestkreuz“) auf. Auch der Gedenktag des Heiligen Antonius (13. Juni) wurde stets in besonderer Weise begangen.
Als das Zisterzienserkloster Heisterbach im Zuge der Säkularisation 1803 aufgelöst wurde, erstand der Niederpleiser Urbanus Effertz aus dem Klostergut eine Barockfigur des heiligen Antonius. Effertz gelobte für die Figur ein Heiligenhäuschen in Niederpleis zu bauen. Ein Vorhaben, das er zwar bis zu seinem Tode 1825 nicht verwirklichen konnte, aber an seine Erben weitergab. Einer dieser Erben, Heinrich Dürnbaum, löste das Gelöbnis schließlich ein: Am 24.10.1843 konnte die Figur des heiligen Antonius in die eigens für sie gebaute Kapelle an der Hauptstraße, direkt an der Einmündung der Antoniusstraße, ziehen.
Ab den 1950er Jahren nahm der Autoverkehr auf der Hauptstraße jedoch immer mehr zu. Andachten wurden gestört und auch die Hauptstraße selbst sollte ausgebaut werden. 1962 erfolgte schließlich der Abbruch der alten Kapelle. Für den heiligen Antonius musste ein neues Heim gefunden werden. Pläne wurden geschmiedet und unter tatkräftiger Beteiligung der Niederpleiser Spenden gesammelt, bis am 12.6.1966, nach einem Entwurf des Siegburger Architekten Hans Lob, die neue Kapelle an ihrem jetzigen Standort (Ecke Bönnscher Weg/Antoniusstraße) eingeweiht werden konnte. Auch heute noch ist das Heiligenhäuschen ein wichtiger Bestandteil des katholischen Kirchenlebens in Niederpleis. Es finden Betstunden, eine Festmesse mit anschließender Antoniusprozession und die Palmweihe an ihr statt.
Neben der Figur des heiligen Antonius beherbergt die Kapelle einen Teil des steinernen Antoniuskreuzes von 1827, das 1936 bei einem Verkehrsunfall zerstört wurde. Der Kreuzaufsatz dieses alten Pestkreuzes mit Korpus und Totenkopf ist in die Innenseite der Kapelle eingemauert.
Auch wurde bei der Gestaltung der Anlage das Ehrenmal für die Niederpleiser Toten des Ersten Weltkrieges einbezogen. Dieses Ehrenmal, bestehend aus einem Granitblock und einer Kupferplatte, war am 20.6.1926 an der Ecke Hauptstraße/Rebenstraße eingeweiht worden. Von diesem alten Standort wurde es neben die neue Kapelle umgesetzt. Leider ist die Kupferplatte 2022 gestohlen worden, sodass dem Betrachter heute nur noch ein blanker Stein entgegenblickt.
Daten
Karte
Referenz
Richarz, Alois: „Niederpleis und der heilige Antonius“ in: Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Sankt Augustin – Beiträge zur Stadtgeschichte, Band 11, Sankt Augustin 1989 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S01B 11A).
Stadtarchiv Sankt Augustin, Akte: „Sammlung von Spenden für die Antoniuskapelle in Niederpleis (1963-1965)“ (Stadtarchiv Sankt Augustin, ME 1471).
Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin:



