Niederpleiser Mühle

Geschichte

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Gemahlen wird in der Niederpleiser Mühle nicht mehr. Bereits 1948 wurde der Mühlenbetrieb eingestellt. Allerdings wurde die Mühlentechnik 1998/99 umfassend restauriert und ist bis heute funktionsfähig. Die Niederpleiser Mühle ist damit die einzige noch erhaltene Mühlenanlage im Stadtgebiet.

Mühlen waren im Mittelalter von großer wirtschaftlicher Bedeutung: sie dienten nicht nur der Energiegewinnung, sondern führten auch zu einer enormen Steigerung der Arbeitsleistung und Produktion, weil sie die Abhängigkeit von menschlicher und tierischer Kraft verringerten.

Die Niederpleiser Mühle war über Jahrhunderte im Besitz des Ritterguts Niederpleis. Eine erste schriftliche Erwähnung datiert aus dem Jahr 1396, als der Kauf eines Anteils an der Mühle durch Lamprecht von Ossendorf und seiner Frau Agnes urkundlich bestätigt wurde. In der Folgezeit wurde die Mühle durch Pächter betrieben. 1752 gelangte die Burg Niederpleis zusammen mit der Mühle und dem Schmerbroicher Hof in den Besitz der Abtei Siegburg. Nach der Säkularisation 1803 ging sie in den Besitz des Großherzogtums Berg über und nach dem Wiener Kongress 1815 wurde sie preußisches Staatseigentum. Von jetzt an war bei allen Entscheidungen, die die Mühle betrafen, die Zustimmung des preußischen Finanzministers erforderlich. Seit dem frühen 18. Jahrhundert war die Familie Richarz als Pächter des Schmerbroicher Hofes auch Pächter der Mühle. Die Familie blieb es – abgesehen von einer sechsjährigen Unterbrechung – bis zum Verkauf der Mühle im Juli 1832 an Godfried Heyder. Neben der Mühle selbst zählten zu dem gesamten Komplex größere Ländereien (Acker- und Wiesenland). Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts umfasste das Mühlengebäude ausschließlich die zum Betrieb erforderliche Einrichtung, also auch keine Wohnmöglichkeit für den Müller oder sein Personal. 1816 wurde die baufällige Mühle vollständig neu errichtet und erhielt darin auch eine einliegende Wohnung. Der Pächter Matthias Becker errichtete zwischen 1815 und 1820 einen Pferde- und Kuhstall. Das für den Mühlenbetrieb notwendige Wasser führte der Mühlengraben herbei, den man vom Pleisbach abzweigte. Mühlengraben und Stauteich sind noch im Gelände erkennbar. Im Laufe des 19. Jahrhunderts kamen weitere Neubauten hinzu. Eine der wichtigsten Ergänzungen war der Einbau einer Dampfmaschine, wodurch der Mahlbetrieb von der Wasserkraft unabhängig wurde. Um diese Zeit war die Niederpleiser Mühle eine der bedeutendsten im gesamten Siegkreis. Jährlich wurden bis zu 95 Tonnen Roggen gemahlen. 1912 wurde die Mühle nochmals umgebaut und erhielt schließlich den Bauzustand, der heute noch erhalten ist. Bis 1948 wurde noch gemahlen.

Der Baukomplex besteht neben dem eigentlichen Mühlentrakt aus Wohnhaus mit niedrigerem Anbau, Gesindehaus, Kuh-, Schweine- und Pferdeställen, Scheune und Hühnerhaus.

Heute beherbergt die Niederpleiser Mühle ein Restaurant sowie einen Trauort des Standesamtes Sankt Augustin.

Bearbeiter
Jürgen Schaschek

Daten

Bauzeit
errichtet 1816-1912, außer Betrieb seit 1948 (Vorgängerbauten 1396 erstmals urkundlich erwähnt)
Strasse, Hausnummer
Pleistalstraße 56

Karte

56, Pleistalstraße, Schmerbroich, Niederpleis, Sankt Augustin, Rhein-Sieg-Kreis, Nordrhein-Westfalen, 53757, Deutschland

Referenz

Quellen
Adolphs, Heinrich: Die Burg Niederpleis [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Beiträge zur Stadtgeschichte, Band 3], Sankt Augustin 1984, S. 134ff.
(Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S22G Burg1).
Stadt Sankt Augustin (Hg.): Denkmalpflege in Sankt Augustin (=Städtebau im Gespräch, Band 3), Sankt Augustin 1990, S. 67-68 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S02A Denk1F)
Stadtarchiv Sankt Augustin, Alte Mühle in Niederpleis (SGL 463).
„Niederpleiser Mühle am Pleisbach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-9912-20110421-5 (Abgerufen: 31. März 2026).
„Mühlengräben der Niederpleiser Mühle”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-78897-20131106-2 (Abgerufen: 31. März 2026).

Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin: