Wegekreuz von 1882
Geschichte
Das Wegekreuz wurde 1882 von den Eheleuten Theodor Heyder und Anna Katharina Neuhöfer errichtet.
Die Eheleute Heyder gehörten zu den wohlhabendsten Familien der Pfarrgemeinde Niederpleis. Die Eltern von Theodor Heyder (1819-1893) besaßen den etwa 108 Morgen Ackerland umfassenden Jesuitenhof, den Gasthof Heyder (Hauptstraße 50) und die Niederpleiser Mühle. Der Familie von Anna Katharina Neuhöfer (1820-1902) gehörte der etwa 300 Morgen Ackerland umfassende Fronhof in Mülldorf.
Die Eltern von Theodor Heyder, die Eheleute Gottfried Heyder (1783-1835) und Anna Katharina Becker (1789-1867), waren die Stifter des 1827 errichteten Niederpleiser Pestkreuzes, das bis zum 15.07.1936 an der Ecke Hauptstraße/Pleistalstraße (vor der westlichen Giebelwand des Hauses Hauptstraße 41) stand.
Das Wegekreuz von 1882 steht auf dem ehemaligen Gelände des zur Zeit seiner Errichtung den Eheleuten Heyder gehörenden Jesuitenhofs. Die unweit des Wegekreuzes gelegene Straße „Am Jesuitenhof“ und die zugehörige Siedlung erinnern an diesen im Jahr 1913 aufgegebenen landwirtschaftlichen Betrieb, dessen Geschichte bis mindestens in das 17. Jahrhundert zurückreicht.
Die schlecht erhaltene Inschrift des Wegekreuzes lautet:
"Errichtet von den Eheleuten Theodor Heyder und Kath[arina] Neuhöfer 1882[.] Siehe auf mich und erbarme Dich meiner, weil ich allein und arm bin. Ps[alm] 24.16"
Auf dem Sockel befindet sich ein Hinweis auf den Hersteller: „R. Henrich Siegburg“. Dieser weist das Wegekreuz als ein Werk des Steinmetzen Reinhard Henrich aus Siegburg aus.
Bei dem zweiten Teil der Inschrift handelt sich um einen Bibelvers, der den Psalmen (Ps. 24,16) entnommen ist. Bei Bibelzitaten aus dem Zeitraum von etwa der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts sollte beachtet werden, dass zu dieser Zeit die gängigste Bibelübersetzung der katholischen Kirche im deutschsprachigen Raum jene von Joseph Franz von Allioli (1793-1873) war, die erstmals im Jahr 1830 bei Johann Adam Stein in Nürnberg gedruckt wurde.
Da sich diese Übersetzung näher an der lateinischen Fassung der Bibel, der sogenannten Vulgata, orientiert, weicht sie häufig von der heute regelmäßig benutzten Einheitsübersetzung aus dem Jahr 1980 ab. Auch bei der Nummerierung der Psalmen blieb Allioli näher an der Vulgata als die Einheitsübersetzung, die den auf dem Wegekreuz zitierten Psalm abweichend unter Ps. 25,16 führt.
Allioli-Übersetzung (Ps. 24,16): „Schaue auf mich, und erbarme Dich meiner: denn ich bin einsam und arm.“
Einheitsübersetzung (Ps. 25,16): „Wende dich mir zu und sei mir gnädig; / denn ich bin einsam und gebeugt.“
Vulgata (Ps. 24,16): „respice in me et miserere mei / quoniam solus et pauper sum ego.”
Daten
Karte
Referenz
Boß, Waltraud (Bearb.): Ortsfamilienbuch Sankt Augustin, 1652-1993, 3 Teilbände [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Geschichte in Sankt Augustin, Band 3], 2. Auflage, Sankt Augustin 2025, Teilband 1, Spalte 904 und Teilband 2, Spalte 1788 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S06AC Augu1A).
Hartleib, Robert: Das Kirchspiel Niederpleis, Siegburg 1986, S. 12, 82, 191, 197-200 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S Hart1A).
Katholische Bibelanstalt (Hg.): Die Bibel – Einheitsübersetzung, Stuttgart 2002, S. 626, Ps. 25,16.
Niebel, Friedrich Wilhelm: Die großen Höfe in Mülldorf im 16. und 17. Jahrhundert, in: Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Sankt Augustin – Beiträge zur Stadtgeschichte, Band 4, Sankt Augustin 1984, S. 9-15 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S01B 04A).
Schumacher, Wilhelm: Familienbuch 1739-1875 für die Stadtteile Buisdorf, Mülldorf und Niederpleis, Siegburg 1988, S. 92 f. u. 201 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S06AC Nied1).
Stadtarchiv Sankt Augustin: „Der Fronhof macht Platz für neue Wohnungen“, Artikel in der Rundschau 10.1.1970 (Stadtarchiv Sankt Augustin, SGL 439).
Stadtarchiv Sankt Augustin: „Festschrift 25 Jahre St. Antonius Schützenbruderschaft Niederpleis 1926-1951“, Niederpleis 1951 (Stadtarchiv Sankt Augustin, SGF 151).
Stadtarchiv Sankt Augustin: Materialsammlung „Jesuitenhof 1600–1700“ (Stadtarchiv Sankt Augustin, SGL 1100).
Stadt Sankt Augustin (Hg.): Denkmalpflege in Sankt Augustin (Städtebau im Gespräch, Band 3), Sankt Augustin 1990, S. 60 u. 66 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S02A Denk1A).
Vogt-Werling, Marianne/Werling, Michael: Denkmalpflegeplan für die Stadt Sankt Augustin [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Geschichte in Sankt Augustin, Band 2], Sankt Augustin 2017, S. 104, 197 u. 557 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S01C 2A).
Weber, Robert/Gryson, Roger (Hgg.): Biblia Sacra iuxta vulgatam versionem, 4. Auflage, Stuttgart 1994, S. 797, Ps. 24,16.
Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin:


