Heiligenhäuschen Raaf-Ingerberg

Geschichte

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Das Heiligenhäuschen gehörte einst zu einem dahinterstehenden Fachwerkhaus („Haus op d‘r Letsch“ genannt), das 1966 abgetragen und dem Freilichtmuseum in Kommern übereignet wurde, wo vor allem eine historische Wendeltreppe des Hauses als Besonderheit bewertet wurde. Das Baujahr des zeitweise als Gastwirtschaft genutzten Fachwerkhauses wird um das Jahr 1610 geschätzt. Der erste nachweisbare Besitzer des Hauses war ein Petter Fischer, der es im Jahr 1756 für 5 Taler 26 Albus an Johann Heinrich Scholtgen und seine Ehefrau Christina Röttgen verkaufte.

Die neuen Eigentümer des Hauses errichteten 1762, nach zehn Jahren kinderloser Ehe, ein Steinkreuz vor ihrem Haus, um damit den bisher ausgebliebenen Kindersegen zu erbitten.

Die Inschrift lautet:
"A[NN]O 1762 HABEN DIESE BEIDE EHLEVTH DIESES CREVZ ZV EHREN GOTTES AVFGERICHT HENDRECVS SCHOLGEN VND ANNA CADRENA ROCHGENS"

Da das Ehepaar dennoch kinderlos blieb, wurde das Fachwerkhaus mit dem davorstehenden Steinkreuz an einen Neffen des Ehemanns vererbt. Über weibliche Erbfolgelinien gingen Haus und Kreuz in der Folge von der Familie Scholtgen auf die Familie Heß anschließend auf die Familie Ingerberg und von dort auf die Familie Raaf über. Im Jahr 1910 ließen Ursula Ingerberg und ihr Ehemann Johann Raaf ein kleines Häuschen als Schutz um das Kreuz errichten – eine Marmortafel mit Jahreszahl erinnert daran. Da beide Kinder von Ursula und Johann Raaf bereits vor den Eltern verstarben, fielen Haus und Kreuz an die Familie Ingerberg zurück. Anna Ingerberg verkaufte das Haus 1956 an seinen letzten Besitzer am bisherigen Standort, den Schrotthändler Jakob Heiden.

Nach Translozierung des Fachwerkhauses ins Freilichtmuseum Kommern 1966 blieb das Heiligenhäuschen zurück. Bislang wurde das Gebäude im Museum allerdings nicht aufgebaut. Im Jahr 1989 fragte Pfarrer Günter bei der Familie Ingerberg an, ob das damals sehr in die Jahre gekommene Heiligenhäuschen durch die Mendener DPSG-Pfadfinder renoviert werden dürfe und ob man dem Häuschen einen Heiligen zuordnen könne. Das Häuschen wurde nach Zustimmung restauriert und unter dem Patronat des Heiligen Georg geweiht – dem Schutzpatron der Pfadfinder. 1996 führte der Bauunternehmer Dominik Cieslak eine erneute Renovierung durch.

Im Winter 2011 wurde das Häuschen bei einem Verkehrsunfall zerstört und anschließend wieder aufgebaut. Die Neuerrichtung ermöglichte die Freilegung des Kreuzschaftes mit seiner Inschrift von 1762. Am 1. August 2023 kam es erneut durch einen Autounfall zu schweren Beschädigungen: Das Kreuz musste restauriert und das Häuschen komplett rekonstruiert werden.

Bearbeiter
Gudrun Burk

Daten

Bauzeit
Wegekreuz errichtet 1762, Heiligenhäuschen errichtet 1910
Strasse, Hausnummer
Siegstraße 79

Karte

79, Siegstraße, Menden, Sankt Augustin, Rhein-Sieg-Kreis, Nordrhein-Westfalen, 53757, Deutschland

Referenz

Quellen
Mündliche Auskünfte Familie Werner Ingerberg.
Kühne, Andreas: Geschichte des Fachwerkhauses "Haus op dr Letsch" und des "Ingerberg-Raaf`schen Heiligenhäuschens" in der Siegstraße 77-79, 1610-1989, (Stadtarchiv Sankt Augustin, SGL 1813).
Pötz, Erich: Das Ingerberg-Raaf‘sche Heiligenhäuschen, in: Spielverein Menden 1912 (Hg.): Sportwoche. Programmheft 2009, S. 137-139 (Stadtarchiv Sankt Augustin, SGR 33).
Stadtarchiv Sankt Augustin, Presseausschnittsammlung:
- Siegkreis-Rundschau 05.06.1962: „300 Jahre alte Wendeltreppe erregte Aufmerksamkeit“.
- Siegkreis-Rundschau 21.07.1966: „"Op dr Letsch" vor dem Abbruch“.
- General-Anzeiger Bonn 27.07.1966: „"De Letsch" kommt nach Kommern. Mendener Beitrag für das Rheinische Freilichtmuseum in der Eifel“.

Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin: