Gassenkreuz Obermenden („Et Jassekröx“)

Geschichte

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Am aktuellen Standort, in der kleinen Grünanlage an der Ecke von Augustinusstraße und Wilhelm-Mittelmeier-Straße, erinnert das Wegekreuz an die frühere Bedeutung der Umgebung.

Die heutige Augustinusstraße gehörte zu den Hauptstraßen in Obermenden. Die Straße verlief früher, von der Kirche aus gesehen, in einer Rechtskurve in Richtung Burgstraße. Die heutige Wilhelm-Mittelmeier-Straße existierte noch nicht. Im Scheitelpunkt der Kurve war ein Platz, die „Buurbank“ (Bauernbank), der als Versammlungsort der Dorfgemeinschaft diente. Das Kreuz stand ursprünglich ganz in der Nähe vor dem heutigen Haus Wilhelm-Mittelmeier-Straße 28. Jeweils rechts und links stand ein Baum. Die Dorfgemeinschaft versammelte sich bis zum Ende des 18. Jahrhunderts an der Buurbank zur Regelung von Angelegenheiten nach dem Obermendener Nachbarschaftsrecht. Es gab Versammlungen zu bestimmten Terminen im Jahreslauf, den sogenannten „gebotenen Dingtagen“ sowie zu besonderen Anlässen, den „ungebotenen Dingtagen“. Die Buurbank war zudem der Sammelpunkt für das Vieh, das von dort aus Richtung Siegweiden getrieben wurde.

Das Wegekreuz wurde anlässlich der Prozessionen der katholischen Pfarrgemeinde St. Augustinus Menden als Segensaltar und Station auf dem Prozessionsweg genutzt. Bis in die 1970er Jahre wurde das Gassenkreuz im jährlichen Wechsel zu Christi Himmelfahrt oder Fronleichnam von der Nachbarschaft als Altar geschmückt. Aktuell führt nur noch zu Fronleichnam eine Pfarrprozession durch den Ort und das Gassenkreuz wird nicht mehr jedes Jahr zu diesem Zweck genutzt.

Anfang bis Mitte der 1960er Jahre wurde das damals noch selbständige Dorf Menden notwendigen verkehrstechnischen Veränderungen unterzogen, in deren Zuge die Versetzung des Wegekreuzes an den heutigen Standort erfolgte. In der kleinen Grünanlage sollte das Kreuz, wieder von Bäumen umgeben, den Mittelpunkt bilden. Maibänke, gestiftet vom Mendener Maiclub, rundeten nun das Bild um das Gassenkreuz ab. Diese Maibänke wurden inzwischen durch pflegeleichtere Sitzbänke ersetzt. Das Brauchtum, eine Maibank aus Anlass der Regentschaft des Maikönigspaares zu stiften, wurde bereits in den 1970er Jahren eingestellt.

Das Kreuz besteht aus einem Sockel mit Inschrift, darüber eine halbrunde Sakramentskonsole. Der Mittelblock enthält eine Muschelnische samt gekehlter Abdeckhaube mit Christusmonogramm. Der obere Teil wird von einem Kreuz mit Corpus Christi bekrönt.

Die Inschrift lautet:
„Mein Jesu, Barmherzigkeit! (100 Tage Ablass)
Errichtet v[on] d[er] Gemeinde Obermenden 1897“

Bei der jüngsten Restaurierung im Jahr 2008 entdeckte man unter vielen Farbschichten eine Vergoldung des Corpus Christi und berücksichtigte dies bei der endgültigen Farbgebung.

Bearbeiter
Renate Müller

Daten

Bauzeit
errichtet 1897
Strasse, Hausnummer
Ecke Augustinusstraße / Wilhelm-Mittelmeier-Straße

Karte

Wilhelm-Mittelmeier-Straße, Menden, Sankt Augustin, Rhein-Sieg-Kreis, Nordrhein-Westfalen, 53757, Deutschland

Referenz

Quellen
Henseler, Paul: Vom Recht der kleinen Leute. Die Nachbarbücher der ehemaligen Honschaften des Stadtgebietes von Sankt Augustin [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Sankt Augustin - Beiträge zur Stadtgeschichte, Band 13], Sankt Augustin 1990 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S01B 13A).
Henseler, Paul: Der Weinberg des Herrn. Die Geschichte der Kirche zum Hl. Augustinus und der Pfarre Sankt Augustin-Menden, Sankt Augustin 1985 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S08B Mend3).
Stadt Sankt Augustin, Untere Denkmalbehörde, Objektakte des Baudenkmals 53.


Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin: