Standort der ehemaligen Niederungsmotte

Geschichte

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Etwa 800 m südlich der Burg Niederpleis und dort etwa 100 m östlich des Fuß- und Radweges von der Burg Niederpleis nach Birlinghoven, liegt im feuchten Wiesengelände ein rundlicher Hügel von etwa 55 m Durchmesser und 2,5 m Höhe. Der diese Anlage ursprünglich umgebende rechteckige Graben ist zwar verfüllt, jedoch im Gelände noch teilweise feststellbar. Eindeutig erkennbar ist er jedoch nur noch auf Luftaufnahmen.

Bei dieser eher unscheinbar wirkenden Erhebung in dem nach Osten hin ansteigenden Wiesengelände handelt es sich um die Reste eines wohl aus dem Hochmittelalter (um 1050 bis um 1250) stammenden Wehr- und Wohnbaus, dessen Form als „Motte“ bezeichnet wird.

Der Ursprung des französischen Wortes „Motte“, das ins Deutsche übersetzt so viel wie „Erdhaufen“ bzw. „Erdsode“ bedeutet, ist nicht eindeutig geklärt. In der Burgenforschung hat der französische Archäologe und Kunsthistoriker Arcisse de Caumont (1801-1873) die Bezeichnung „motte“ bzw. „château à motte“ für Anlagen eingeführt, deren Hauptmerkmal ein künstlich aufgeschütteter, grabenumzogener Hügel ist, auf dessen meist engräumigem Plateau hölzerne oder steinerne Wehr- und Wohnbauten errichtet wurden.

Die ältesten erhaltenen Darstellungen solcher Anlagen befinden sich auf dem um 1070 entstandenen „Teppich von Bayeux“ (Bayeux, Musée de la Tapisserie de Bayeux).

Die Bezeichnung „Niederungsmotte“ wird für solche Anlagen verwendet, die sich im niedrigen Gelände befinden, wie es bei der Motte von Niederpleis der Fall ist.

Durch die neuere Burgenforschung werden die Motten nach der Art ihrer Anlage (mit Vorburg = zweiteilig oder ohne Vorburg = einteilig) und der Höhe des Haupthügels (über 10 m = groß, 5 bis 10 m = normal oder unter 5 m = klein) klassifiziert.

Da bei der Motte von Niederpleis keine Vorburg nachweisbar ist und die Höhe des Hügels nur etwa 2,5 m beträgt, handelt es sich um eine einteilige, kleine Motte, deren damaliger Kampfwert, sprich die Stärke ihrer Verteidigungsfähigkeit, entsprechend gering einzustufen ist.

Welches höchstwahrscheinlich zum niederen Adel gehörende Geschlecht die Motte erbaute und wann sie wohl im Zuge der Errichtung einer etwa 800 m nördlich von ihr gelegenen Wasserburg, dem Vorgängerbau der heutigen Burg Niederpleis, aufgegeben wurde, ist nicht bekannt.

Da keine eindeutig der Anlage zuzuordnende urkundliche Überlieferung vorhanden ist und bisher keine archäologischen Grabungen durchgeführt wurden, ist die Geschichte der Niederungsmotte von Niederpleis bis heute weitgehend ungeklärt.

Bearbeiter
Mike Bargel

Daten

Bauzeit
errichtet und aufgegeben wahrscheinlich im Hochmittelalter
Strasse, Hausnummer
800 m südlich von Burg Niederpleis, 100 m östlich des Fuß- und Radwegs von Burg Niederpleis nach Birlinghoven

Karte

Niederungsmotte Niederpleis, Pleistalstraße, Schmerbroich, Niederpleis, Sankt Augustin, Rhein-Sieg-Kreis, Nordrhein-Westfalen, 53757, Deutschland

Referenz

Quellen
Adolphs, Heinrich: Die Burg Niederpleis [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Sankt Augustin – Beiträge zur Stadtgeschichte, Band 3], Sankt Augustin 1984, S. 16-23 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S01B 03A).
Bonner Jahrbücher des Rheinischen Landesmuseums in Bonn und des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande, Heft 149, 1949, S. 377.
Caumont, Arcisse de: Archéologie des écoles primaires, Caen 1868, S. 235.
Caumont, Arcisse de: Cours d'antiquités monumentales, Band 5: Architecture militaire et civile, Paris 1835, S. 73 u. 75.
Hartleib, Robert: Das Kirchspiel Niederpleis, Siegburg 1986, S. 10 f. u. 178 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S Hart 1A).
Henseler, Paul: Siedlungsgeschichte der Stadt Sankt Augustin [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Sankt Augustin – Beiträge zur Stadtgeschichte, Band 2], Sankt Augustin 1983, S. 30 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S01B 02A).
LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland (Hg.): Flyer: „Archäologietour Siebengebirge, Sonntag, 25.10.2015, 11-17 Uhr“, Station Nr. 5 „Niederungsburg bei Sankt Augustin-Niederpleis“.
LVR-Dezernat Kultur und Landschaftliche Kulturpflege, Abteilung Digitales Kulturerbe LVR: Internetseite: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-77058-20131016-3, „Niederungsmotte Alte Burg bei Niederpleis“ (Abruf 16.3.2026).
Müller-Wille, Michael: Mittelalterliche Burghügel („Motten“) im nördlichen Rheinland (=Beihefte der Bonner Jahrbücher des Rheinischen Landesmuseums in Bonn und des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande, Band 16), Köln/Graz 1966, S. 60, Nr. 66 und Tafel 3.
Stadt Sankt Augustin (Hg.): Denkmalpflege in Sankt Augustin (=Städtebau im Gespräch, Band 3), Sankt Augustin 1990, S. 60 und 68 f. (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S02A Denk 1A).
Vogt-Werling, Marianne/Werling, Michael: Denkmalpflegeplan für die Stadt Sankt Augustin [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Geschichte in Sankt Augustin, Band 2], Sankt Augustin 2017, S. 103 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S01C 2A).

Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin: