Gasthaus und Festsaal „Honecker“

Geschichte

Zur Vergrößerung auf ein Bild klicken.

Das Gasthaus, ein traufständiger, zweigeschossiger, verputzter Backsteinbau mit „Berliner Ecke“ und Satteldach, wurde im Jahr 1908 errichtet und ersetzte einen Fachwerkbau, der wohl bereits seit der Mitte des 18. Jahrhunderts als Gaststätte gedient hatte.

Der an der Nordseite dieses Gebäudes stehende Festsaal wurde um 1902 an der Stelle eines dort zuvor vorhandenen Pferdestalls mit einem sich darüber befindenden Tanzsaal errichtet.

Der traufständige, in basilikaler Form ausgeführte Festsaal verfügt über ein entsprechend erhöhtes Mittelschiff mit einem aus Fachwerk bestehenden, beidseitig mit jeweils fünf Doppelfenstern durchbrochenen Obergaden und ist mit einem Satteldach abgedeckt. Die beiden aus Backstein gemauerten und überwiegend verputzten Seitenschiffe verfügen jeweils über ein Pultdach. Das westliche Seitenschiff wurde später für den Einbau einer heute nicht mehr vorhandenen Kegelbahn nach Norden hin verlängert.

Aufgrund seines Alters und seiner besonderen architektonischen Form handelt es sich bei diesem Gebäude um den bedeutendsten historischen Festsaal im Gebiet der Stadt Sankt Augustin.

Die ersten nachweisbaren Besitzer einer Gaststätte an diesem Standort waren die Eheleute Gottfried Heyder (1783–1835) und Anna Katharina Becker (1789–1867), die darüber hinaus den Jesuitenhof und die Niederpleiser Mühle besaßen.

Die Eheleute Heyder stifteten im Jahr 1827 das gegenüber dem Gasthaus errichtete Wegekreuz (Pestkreuz), dass 1936 durch einen Verkehrsunfall zerstört wurde.

Im Jahr 1901 erwarb der aus Siegburg-Wolsdorf stammende Johann Koch die sich bis dahin im Besitz der Familie Heyder befindende Gaststätte und ließ zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt den heutigen Festsaal errichten. Aufgrund einer schweren Erkrankung seiner Ehefrau sah er sich bereits 1903 gezwungen, die Gaststätte wieder zu veräußern.

Die im Jahr 1908 stattgefundene Errichtung des heutigen Gasthauses erfolgte durch den Siegburger Brauereibesitzer Joseph Breuer, der zwar seit 1907 Eigentümer von Gasthaus und Festsaal war, jedoch nicht selbst als Gastwirt tätig geworden ist.

Als Gastwirte, nicht unbedingt auch als Eigentümer, nach der Familie Heyder (mindestens von 1825 bis 1901) sind bekannt:
Johann Koch (1901–1903), Joseph Schwidden (1903–1909), Ignatz Bröhl (1909–1913), Ludwig Graf (1913–1927), Bernhard Förster (1927–1929), Karl Klein (1929–1930), Franz Küpper (1930–1932), August Arntz (1932–1934), Gerhard Honecker und dessen Ehefrau Katharina Honecker geb. Görgens, später deren Tochter Gertrud Kreckel geb. Honecker und deren Ehemann Norbert Kreckel (1934 bis in die 1990er Jahre).

Gasthaus und Festsaal waren insbesondere während der sechs Jahrzehnte als die Familien Honecker und Kreckel die Gaststätte besessen und betrieben haben, ein von den Einwohnern von Niederpleis gerne besuchter und genutzter Austragungsort für öffentliche Veranstaltungen sowie für private Familienfeiern. Heute erinnert noch der Name „Honny“ an diese Zeit.

Bearbeiter
Mike Bargel

Daten

Bauzeit
Festsaal errichtet um 1902, Gasthaus errichtet 1908 (Vorgängerbau aus dem 18. Jahrhundert)
Strasse, Hausnummer
Hauptstraße 50

Karte

Honny, 50, Hauptstraße, Schmerbroich, Niederpleis, Sankt Augustin, Rhein-Sieg-Kreis, Nordrhein-Westfalen, 53757, Deutschland

Referenz

Quellen
Ossendorf, Karlheinz: Tanzsaal über dem Pferdestall – Die Gast- und Schankwirtschaften der Bürgermeisterei Menden im 19. und 20. Jahrhundert, Teil 3: Niederpleis mit Schmerbroich und Birlinghoven [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Sankt Augustin – Beiträge zur Stadtgeschichte, Band 32), Siegburg 1999, S. 7-42 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S01B 32A).
Stadtarchiv Sankt Augustin, Bauakte: „Hauptstr. 50, Wohn- und Wirtschaftsgebäude, 1908“ (Stadtarchiv Sankt Augustin, BAU 120).
Stadt Sankt Augustin (Hg.): Denkmalpflege in Sankt Augustin (Städtebau im Gespräch, Band 3), Sankt Augustin 1990, S. 60 u. 63 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S02A DENK 1A).
Vogt-Werling, Marianne/Werling, Michael: Denkmalpflegeplan für die Stadt Sankt Augustin [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Geschichte in Sankt Augustin, Band 2), Sankt Augustin 2017, S. 105 u. 547 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S01C 2A).

Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin: