Ehemaliges Pleistalwerk
Geschichte
Begünstigt durch vulkanische Tätigkeit im Siebengebirge in Verbindung mit Wind, Wasser und Erosion entstanden im Pleiser Hügelland und Niederpleis reichhaltige Tonvorkommen.
Die Geschichte Ton- und Lehmgewinnung verbunden mit der Herstellung entsprechender Ton- und Keramikprodukten im Bereich des heutigen Sankt Augustin währte über 130 Jahre. Einen der wenigen heute noch sichtbaren Zeitzeugen dieser Industriegeschichte bildet das Pleistalwerk an der Straße zwischen Niederpleis und Birlinghoven.
Unter dem Namen Zeche Plato wurde das Werk im Jahre 1842 von Albert von Mühlmann gegründet. Hergestellt wurden feuerfeste Steine, Ziegelsteine, Dachziegel und Tonröhren. Anfang des 20. Jahrhunderts nannte sich die Firma Aktiengesellschaft für Thonwaren Niederpleis.
1902 wurde das aus Fachwerk errichtete Ofenhaus des Ringofens, der ein kontinuierliches Brennen von Ziegeln, Kalk und Gips ermöglichte, durch einen Brand zerstört und durch einen dreigeschossigen Backsteinbau ersetzt. Im Jahre 1905 wurde das zweigeschossige Büro- und Wohnhaus errichtet, das - unter der Adresse Pleistalstraße 123 - heute noch bewohnt wird. Das Ziegelwerk florierte in dieser Zeit und hatte im Jahr 1912 bereits 242 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ab diesem Jahr übernahm die Plato AG Bonn das Unternehmen. Allerdings ging der Erste Weltkrieg mit seinen negativen wirtschaftlichen Folgen nicht spurlos an der Ziegelei vorüber. Unter dem Druck der Hyperinflation 1923 musste die Plato AG Konkurs anmelden. Ein Jahr später vernichtete ein Großbrand einen großen Teil des Werkes.
Einen Neuanfang gab es 1926 mit dem Erwerb der Anlage durch den aus Horrem bei Köln stammenden Heinrich Startz, der den Betrieb zusammen mit seiner Ehefrau Magdalena führte. Sie nannten das Unternehmen fortan Pleistalwerk Heinrich Startz KG. Zunächst wurden Klinkersteine produziert. Als das Material aus der betriebseigenen Tongrube zur Neige ging, wurde die Produktion auf feuerfeste Steine für den Ofenbau umgestellt. Aber erst mit der erneuten Umstellung auf die Herstellung von Tonröhren blühte das Unternehmen zusehends auf: durch eine Mischung der Tone aus Frechen und Oberpleis konnte eine Qualität erreicht werden, die die Produkte an die Spitze der westdeutschen Steinzeugröhrenproduktion führte und einen Export in etliche europäische Länder ermöglichte. Die erforderlichen Transportwege wurden über die Anbindung an die Rhein-Sieg Eisenbahn geschaffen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs stieg der Bedarf an Steinzeugrohren für Kanal- und Straßenbau, was für das Pleistalwerk mit einer guten und gesicherten Auslastung verbunden war. Mit dem Siegeszug der Kunststoffe, insbesondere Hart-PVC für die Verwendung von Kanalrohren, überholten Produktionsprozessen und steigende Energiepreisen geriet das Unternehmen allerdings in den 1960er Jahren in wirtschaftliche Schwierigkeiten, so dass der Betrieb im Jahre 1971 eingestellt werden musste. Abgesehen von einer zwischenzeitlichen Nutzung zur Produktion von Automationsmaschinen für Kunststoffprodukte ist das Gelände seit den 1990er Jahren ungenutzt und dem Verfall preisgegeben.
Daten
Karte
Referenz
Christian Günther: Geologie in der Stadtgeschichte von Sankt Augustin [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Geschichte in Sankt Augustin, Band 1], Sankt Augustin 2016.
KuLaDig-Eintrag „Pleistalwerk bei Birlinghoven“, https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-266637 [Abruf 4.2.2026].
Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin:



