Fragment eines Fernsprechhäuschens der Bröltalbahn
Geschichte
Bei dem sich etwa 75 m südlich des Baumschulwegs befindenden, ca. 1,80 m hohen Betonpfeiler handelt es sich um den letzten erhaltenen Rest eines Fernsprechhäuschens der zuletzt durch die Rhein-Sieg Eisenbahn-AG betriebenen Bröltalbahn.
Der ehemals hier verlaufende Streckenabschnitt Niederpleis–Oberpleis war von 1893 bis 1962 in Betrieb und gehörte zur Strecke Niederpleis–Rostingen. Die nächstgelegenen Bahnhöfe befanden sich in Niederpleis und Birlinghoven.
Ab einem nicht genau bekannten Zeitpunkt, mindestens jedoch seit 1913, befand sich an dieser Stelle ein Abzweig zum Anschluss der Zeche Plato (bis 1926) bzw. des Pleistalwerks (ab 1926) an das Streckennetz, der ebenfalls bis 1962 bestand.
Bei genauerer Betrachtung ist der zwischen Abzweig und Pleistalstraße gelegene Bahndamm noch gut zu erkennen.
Ab 1894 wurde das Streckennetz der Brölthaler Eisenbahn-AG, die 1921 in Rhein-Sieg Eisenbahn-AG umbenannt wurde, mit Fernsprechleitungen ausgestattet. Der über diese Leitungen durchgeführte Zugmeldedienst diente zur Regelung und Überwachung des auf den Strecken ablaufenden Zugbetriebs.
Das ehemals direkt am Abzweig stehende, im Jahr 1922 errichtete Fernsprechhäuschen wurde, wie nachfolgend dargestellt, zur Übermittlung von Zugmeldungen genutzt:
Ein auf der Strecke fahrender Bedienzug (Güterzug) hielt vor dem Abzweig zum Anschluss der Zeche Plato bzw. des Pleistalwerks an. Der Zugführer stellte die Abzweigweiche um, legte die Gleissperre ab, fuhr auf das Gleis des Werksanschlusses, legte die Gleissperre wieder auf, stellte die Abzweigweiche wieder in ihre Grundstellung zurück und meldete dies mittels des sich im Fernsprechhäuschen befindenden Fernsprechapparats an den Fahrdienstleiter im Bahnhof Niederpleis. Dieser konnte daraufhin den Streckenabschnitt für andere Züge freigeben.
Schließlich fuhr der Bedienzug in den Werksbahnhof ein und es erfolgte die Be- bzw. Entladung des Zuges.
Nachdem der Bedienzug den Werksbahnhof wieder verlassen hatte, blieb er vor der Gleissperre stehen. Der Zugführer beantragte mittels des Fernsprechapparats beim Fahrdienstleiter die Erlaubnis, wieder auf die Strecke wechseln zu dürfen. Sobald die Strecke frei war, erteilte der Fahrdienstleiter ihm hierzu die Genehmigung. Dann stellte der Zugführer die Abzweigweiche um, legte die Gleissperre ab, fuhr auf die Strecke, legte die Gleissperre wieder auf, stellte die Abzweigweiche wieder in ihre Grundstellung zurück und fuhr los.
Durch die im Jahr 1959 erfolgte Außerbetriebsetzung der Fernsprechleitung des Streckenabschnitts Niederpleis–Oberpleis verlor das Fernsprechhäuschen seine Funktion und war fortan dem Verfall preisgegeben.
Ein baugleiches Fernsprechhäuschen stand bis zum Ende der 1990er Jahre an der Strecke Hennef–Beuel, am Abzweig zum Anschluss des Tonwerks Niederpleis (Mauelshagen), in dem zwischen Hauptstraße, Langstraße und Zufahrt zur Burg Niederpleis gelegenen Bereich, nur wenige Meter entfernt von dem sich dort befindenden Wegekreuz.
Ein drittes stand am Werksanschluss der Chemischen Fabrik Schleu & Spatz an der Alten Heerstraße.
Daten
Karte
Referenz
Clößner, Wolfgang: Zwischen Rhein, Sieg und Pleistal – Der Bahnhof Niederpleis und seine Strecken, in: Sankt Augustin – Beiträge zur Stadtgeschichte, Bd. 47, Fundgrube Vergangenheit, Aufsätze zur Stadtgeschichte, Folge 8, Sankt Augustin 2008, S. 174–197 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S01B 47A)
Clößner, Wolfgang/Gussmann, Carsten: Die Rhein-Sieg Eisenbahn: Pionier der deutschen Schmalspurbahnen, Berlin 2017, S. 21, 91 f., 95 f., 120–123 u. 185–188 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, 07FA Cloe1A)
Günther, Christian: Geologie in der Stadtgeschichte von Sankt Augustin. Auf der Suche nach Relikten der „geologischen“ Vergangenheit [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Geschichte in Sankt Augustin, Bd. 1], Sankt Augustin 2016, S. 122–125, 131–134 u. 167–169 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S01C 1A)
Köhler, Wolfgang: Leben auf dem Schmerbroich in den 1940/50er Jahren. Ein autobiographischer Bericht, in: Sankt Augustin – Beiträge zur Stadtgeschichte, Bd. 54, Aufsätze zur Stadtgeschichte, Folge 12, Sankt Augustin 2017, S. 9–37, hier: 17–19 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S01B 54A)
Museum der Rhein-Sieg Eisenbahn Asbach e.V.: „Plan von Abzweig, Anschlussgleis und Werksbahnhof der Zeche Plato (September 1924)“ (Museum der Rhein-Sieg Eisenbahn Asbach e.V., Sammlung, Bestand Rolf Bohlken)
Stadtarchiv Sankt Augustin, Sammlung Clößner/Gussmann/Clees/Museum der Rhein-Sieg Eisenbahn, Asbach: „Niederpleis, Fernsprechverbindungen (Januar 1922)“ (Stadtarchiv Sankt Augustin, SN 175/694)
Stadtarchiv Sankt Augustin, Sammlung Clößner/Gussmann/Clees/Museum der Rhein-Sieg Eisenbahn, Asbach: „Skizze zur Errichtung eines Fernsprechhäuschen bei den Gleisanschlüssen Schleu & Spatz, Tonwerk Niederpleis, Platowerk (März 1922)“ (Stadtarchiv Sankt Augustin, SN 175/643)
Stadtarchiv Sankt Augustin, Sammlung Clößner/Gussmann/Clees/Museum der Rhein-Sieg Eisenbahn, Asbach: „Zugmeldedienst für alle Strecken, grafische Darstellung (undatiert)“ (Stadtarchiv Sankt Augustin, SN 175/678)
Vogt-Werling, Marianne/Werling, Michael: Denkmalpflegeplan für die Stadt Sankt Augustin [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Geschichte in Sankt Augustin, Bd. 2), Sankt Augustin 2017, S. 541 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S01C 2A)
schriftliche Auskünfte von Rolf Bohlken, Ulrich Clees, Carsten Gussmann und Wolfgang Köhler 2.2026
Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin:






