Fragment des Niederpleiser Pestkreuzes (Corpus Christi)
Geschichte
Das Kreuz mit dem Corpus Christi und dem Totenschädel zu dessen Füßen gehörte ursprünglich zu dem Pestkreuz, das im Jahr 1827 an der Ecke Hauptstraße/Pleistalstraße errichtet worden ist und 1936 durch einen Verkehrsunfall zerstört wurde.
Das Kreuz, dessen oberer Teil fehlt, enthält die Darstellung des Gekreuzigten (Corpus Christi) im Dreinageltypus und zu dessen Füßen einen Totenschädel, der als Symbol für den Hügel Golgatha („Schädelhöhe“) bei Jerusalem, den Ort der Kreuzigung Jesu, steht und auf die ebenfalls dort vorhandene Begräbnisstätte Adams verweist, dessen Sünde durch die Kreuzigung Jesu getilgt wurde.
Den Hintergrund hierzu bildet ein im Jahr 1707 in Niederpleis erfolgter Ausbruch einer umgangssprachlich als „Pest“ bezeichneten Seuche, wahrscheinlich einer Viehseuche. Als sich die Einwohner von Niederpleis in ihrer Not an den Heiligen Antonius von Padua (um 1195-1231) wandten, verschwand die Seuche. Zum Dank und zur Erinnerung an dieses Ereignis errichtete man um 1708 an der Ecke Hauptstraße/Pleistalstraße ein Wegekreuz, das auch als Pestkreuz bezeichnet wurde. Gleichzeitig begann die Verehrung des Heiligen Antonius von Padua in Niederpleis, die hier bis heute einen besonderen Stellenwert besitzt.
Im Laufe der 1820er Jahre war das ursprünglich aus Holz gefertigte Kreuz wohl derart stark beschädigt, dass sich die Eheleute Gottfried Heyder (1783–1835) und Anna Katharina Becker (1789–1867), zu dieser Zeit Besitzer des Jesuitenhofs und der sich damals direkt gegenüber befindenden Gaststätte Heyder (Hauptstraße 50), zur Stiftung eines neuen Wegekreuzes an gleicher Stelle entschlossen. Die Errichtung dieses nun aus Stein gefertigten Kreuzes erfolgte im Jahr 1827.
Am 15.07.1936 wurde das Kreuz durch einen schweren Verkehrsunfall, an dem ein Lastkraftwagen beteiligt war, und bei dem eine junge Frau aus Birlinghoven verstarb, nahezu vollständig zerstört.
Von dem Pestkreuz sind nur zwei Fragmente erhalten geblieben: Das seit 1966 in die damals neue Kapelle eingemauerte Kreuz mit dem Corpus Christi und dem Totenschädel zu dessen Füßen und der um 1936/37 in die westliche Giebelwand des Hauses Hauptstraße 41 eingemauerte Mittelblock mit dem Relief des Heiligen Antonius von Padua.
Nach der Zerstörung des Pestkreuzes strebten die Einwohner von Niederpleis die zügige Errichtung einer an das Original angelehnten Rekonstruktion an, die nun jedoch an einem verkehrsberuhigten Platz stehen sollte. Die Einsegnung dieses neuen, an der Ecke Schulstraße/Freie Buschstraße stehenden Kreuzes erfolgte am 13.06.1937.
Daten
Karte
Referenz
Hartleib, Robert: Das Kirchspiel Niederpleis, Siegburg 1986, S. 81 f. u. 98 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S Hart1A)
Schumacher, Wilhelm: Familienbuch 1739-1875 für die Stadtteile Buisdorf, Mülldorf und Niederpleis, Siegburg 1988, S. 92 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S06AC Nied1)
Stadtarchiv Sankt Augustin, Akte: „Sammlung von Spenden für die Antonius-Kapelle in Niederpleis (1963–1965)“ (Stadtarchiv Sankt Augustin, ME 1471)
Stadtarchiv Sankt Augustin, Bauakte: „Freie Buschstr. o.A., Erneuerung eines Pestkreuzes, 1937“ (Stadtarchiv Sankt Augustin, BAU 7441)
Stadtarchiv Sankt Augustin, Zeitungssammlung: Siegburger Zeitung vom 16.07.1936, Artikel: „Wieder 2 tödliche Unfälle im Siegkreis – Entsetzliches Unglück in Niederpleis“
Stadtarchiv Sankt Augustin, Zeitungssammlung: Westdeutscher Beobachter, Ausgabe für Bonn und Siegburg v. 16.07.1936, Artikel: „Steigende Unglückskurve im Siegkreis – Zwei Tote und ein Schwerverletzter an einem Tag“
Stadt Sankt Augustin (Hg.): Denkmalpflege in Sankt Augustin (Städtebau im Gespräch, Bd. 3), Sankt Augustin 1990, S. 60 u. 62 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S02A Denk1A)
Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin:


