Katholische Pfarrkirche St. Martinus

Geschichte

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Erstmals nachweisbar ist die Kirche in Urkunden, die anlässlich der Gründung der Abtei Siegburg (1064) entstanden sind. Erzbischof Anno II. von Köln (+ 1075) übertrug die Kirche in Niederpleis, die er mit weiteren Kirchen des Umlands aus dem Besitz des Cassius-Stifts in Bonn erworben hatte, an die von ihm gegründete Abtei Siegburg auf dem Michaelsberg.

Die seit 1906/08 durch den Stil der Neuromanik geprägte Kirche verfügt über einen Westturm, ein einschiffiges Langhaus, ein Querhaus und einen östlichen Chorschluss. Der Turm ist verputzt, alle weiteren Gebäudeteile sind steinsichtig.

Die beiden unteren Geschosse des Turms stammen aus der Mitte des 12. Jahrhunderts und bestehen aus Bruchsteinmauerwerk. Sie stellen den ältesten Teil des Kirchenbaus dar. Das dritte Geschoss des Turms, mit jeweils zwei Schallfenstern an drei Seiten, wurde im Jahr 1860 aufgestockt. Die sich darüber befindenden Dreiecksgiebel mit jeweils einem Schallfenster an jeder Seite und das Rhombendach wurden zwischen 1906 und 1908 hinzugefügt.

Das ursprüngliche Langhaus mit Chorschluss wurde in den Jahren 1822 bis 1824 vollständig niedergelegt und neuerrichtet. Die Pläne für den Neubau haben dem Leiter der Oberbaudeputation des Königreichs Preußen, Karl Friedrich Schinkel (1781–1841), vorgelegen und sind von ihm persönlich nachbearbeitet und genehmigt worden.

Im Laufe der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche für die sich stetig vergrößernde Pfarrgemeinde zu klein, sodass man von 1906 bis 1908 eine Erweiterung durchführte. Zusätzlich zu den Dreiecksgiebeln und dem Rhombendach des Turms wurde das Langhaus erhöht, der alte Chorschluss niedergelegt, an dessen Stelle ein Querhaus errichtet, daran ein neuer Chorschluss mit zwei flankierenden Anbauten angeschlossen und auf dem Dach des Querhauses ein Vierungsturm errichtet.

Der Innenraum, zu dessen Beleuchtung die Wände von Langhaus, Querhaus und Chorschluss mit insgesamt 16 großen Rundbogenfenstern durchbrochen sind, wird von einem Kreuzrippengewölbe überfangen.

In der Glockenstube des Turms befinden sich vier in den Jahren 1838, 1880, 1955 und 1977 gegossene Glocken mit einem Gewicht von 420 bis 1.659 Kilogramm.

Von der älteren Ausstattung sind das im südlichen Querhaus stehende zylindrische Taufsteinbecken aus Trachyt (12. Jh.) und die sich ebenfalls dort befindende Pietà aus Lindenholz (15. Jh.) besonders hervorzuheben.

Darüber hinaus sind die steinerne Kreuzigungsgruppe an der Wand des südlichen Querhauses (1820), der hölzerne Flügelaltar (1906/08) und die beiden überlebensgroßen Holzfiguren der Apostel Petrus und Paulus (1906/08) besonders erwähnenswert.

Bei verschiedenen im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stattgefundenen Renovierungen des Innenraums wurden unter anderem die Wandmalereien sowie zahlreiche Ausstattungsgegenstände aus der Zeit von 1906 bis 1908 entfernt, wodurch das Innere der Kirche sein heutiges puristisches Erscheinungsbild erhielt.

Bearbeiter
Mike Bargel

Daten

Bauzeit
ursprünglich errichtet im 12. Jahrhundert (unterer Teil des Turms erhalten), Erweiterungen, Neu- und Umbauten im 19. und 20. Jahrhundert
Strasse, Hausnummer
Alte Marktstraße 61

Karte

Alte Marktstraße 61, Niederpleis, Sankt Augustin, Rhein-Sieg-Kreis, Nordrhein-Westfalen, 53757, Deutschland

Referenz

Quellen
Busch, Gabriel (Hg.): Alte Kirchen um den Michaelsberg (Das ehemalige Dekanat Siegburg, Bd. 2), Siegburg 1986, S. 107 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, 08B Busc2)
Busch, Gabriel: Kirchspiel Niederpleis, in: Gabriel Busch (Hg.), Im Spiegel der Sieg, 2. Aufl., Siegburg 1980, S. 260-276, hier: 260 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, 12F Busc1A)
Hartleib, Robert: Das Kirchspiel Niederpleis, Siegburg 1986, S. 44-69 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S Hart1A)
Maaßen, German Hubert Christian: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Königswinter (=Geschichte der Pfarreien der Erzdiöcese Köln, Bd. XXVIII), Köln 1890, S. 453-461 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, 08D Dumo28A)
Pfarrgemeinde St. Martinus (Hg.): 100 Jahre Pfarrkirche St. Martinus in Niederpleis, 1908-2008, Baugeschichten und Anekdoten aus dem Gemeindeleben, Sankt Augustin 2008 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S08B Aget1)
Renard, Edmund: Die Kunstdenkmäler des Siegkreises (=Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Bd. 5, Abt. IV), Düsseldorf 1907 (Nachdruck 1984), S. 151 f. (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, 09E Rena1)
Stadt Sankt Augustin (Hg.): Denkmalpflege in Sankt Augustin (=Städtebau im Gespräch, Bd. 3), Sankt Augustin 1990, S. 59-61 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S02A Denk 1A)
Viefhues-Verbeek, Anne: Die kirchliche Romanik des Siegtals, in: Gabriel Busch (Hg.), Im Spiegel der Sieg, 2. Aufl., Siegburg 1980, S. 384-402, hier: 386 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, 12F Busc1A)
Vogt-Werling, Marianne/Werling, Michael: Denkmalpflegeplan für die Stadt Sankt Augustin [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Geschichte in Sankt Augustin, Bd. 2], Sankt Augustin 2017, S. 101, 103 u. 531 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S01C 2A)
Wisplinghoff, Erich (Bearb.): Urkunden und Quellen zur Geschichte von Stadt und Abtei Siegburg, Bd. I: (948) 1065–1399, 2. Aufl., Siegburg 1985, S. 12-16, 20-32, 45-47, 49-51, 110-113 u. 417 f. (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, 11 Sieg1)

Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin: