Ehemalige Siegquerungen bei Meindorf

Geschichte

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Die Bewirtschaftung der Meindorfer Wiesen und Weiden rechts der Sieg (noch 1917 ein recht umfänglicher Bereich von rund 400 Morgen) und die Pflege der Kontakte zwischen den Ortschaften beidseits des Flusses nötigten seit jeher zu häufigen Siegquerungen.
Dem dienten Furten, über die Lastenfuhrwerke den Fluss querten, das Vieh zur Weide getrieben sowie Gras und Heu mit Karren geholt wurde. Spuren der Furt sind noch am heutigen Sportplatz erkennbar.

Über die Nutzung von Furten hinaus ist bereits für das 18. Jahrhundert ein Fährbetrieb zur Siegquerung auch „trockenen Fußes“ belegt. Eine Karte von 1770 weist ein „Meindorfer Fahr“ als Ortsbezeichnung aus. Häufige Veränderungen des Flusslaufs bedingten wohl mitunter Verlegungen des Fährstandorts. “Am aahle Fahr“ befand sich so weiter flussabwärts in der Verlängerung der heutigen Hofgartenstraße.

Aktenkundig wird die Meindorfer Fähre 1822 durch eine Tariffestsetzung für die Überfahrt. Die Nutzung der Fähre war Mitte des 19. Jahrhunderts beachtlich. Mit dem Bau des Siegdamms um 1909 wurde die Fähre schließlich in den Bereich des heutigen Sportplatzes verlegt. Zeitgleich wurde eine Wellblechhütte dort als Fährhäuschen aufgestellt.

Von der Fähre erhalten hat sich bis heute ein dreibeiniges Gestell am Rande des Sportplatzes, das als Pylon zur Verankerung eines über den Fluss gespannten Drahtseils (Scharseil) diente. An diesem Seil war das Fährboot befestigt, gehalten durch ein weiteres Seil (Giertau) mit einer Rolle, die über das Scharseil lief. So konnte allein die Strömung die Fähre bei entsprechender Heckruderstellung an das jenseitige Ufer bewegen. Eine solche Gierseilfähre ist noch an der Siegbrücke bei Bergheim in Betrieb zu sehen.

Ein Fährunglück am 4.2.1948 bei Hochwasser forderte vier Todesopfer: zwei Schüler einer Sieglarer Schule und ihren Lehrer, der retten wollte, sowie den Fährmann. Der Fährbetrieb wurde in der Folge eingestellt. Ein Gedenkkreuz befindet sich im weiteren Verlauf des Uferwegs in Richtung Westen.

Bereits 1907 hatte der Meindorfer Gemeinderat, nach Beschwerden über die Durchführung des Fährbetriebs, den Bau einer eisernen Brücke über die Sieg beschlossen. Die Planung wurde auch abgeschlossen, eine Beteiligung der Gemeinde Sieglar vereinbart und der Auftrag erteilt. Nur die Ausführung kam nie zustande. Zur Ausführung kam hingegen wenige Jahre später ein hölzerner Fußsteg über die Sieg, verbunden mit der Auflage des Kreises vom 31.7.1917, ihn jährlich erst nach dem 15. April zu errichten und spätestens am 1. September wieder abzubauen, bei Hochwassergefahr auch früher.

Wegen des hohen Aufwands wurde die Stegnutzung jedoch schon nach einigen Jahren wieder eingestellt. Erst nach dem Ende des Fährbetriebs wurde etwa zwischen 1950 und 1970 wieder jährlich eine Siegquerung errichtet, diesmal aus Nachen, welche als Pontons dienten. Heute ist eine Siegquerung „trockenen Fußes“ bei Meindorf nicht mehr möglich. Stattdessen besteht eine offiziell zugelassene Anlegestelle für Boote.

Bearbeiter
Peter Hecken

Daten

Bauzeit
an dieser Stelle seit 1909. außer Betrieb seit 1970
Strasse, Hausnummer
Verlängerung Straße „Am Weiher“, Siegufer am Sportplatz

Karte

55, Am Weiher, Meindorf, Sankt Augustin, Rhein-Sieg-Kreis, Nordrhein-Westfalen, 53757, Deutschland

Referenz

Quellen
Bull, Rolf et.al.: Sankt Augustin im Bild historischer Landkarten [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Geschichte in Sankt Augustin, Band 4], Sankt Augustin 2019(Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S01C 4A).
Krämer, Peter: Meindorf - "mein Dorf". Ein kleiner Ausschnitt aus der großen Stadtgeschichte [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Beiträge zur Stadtgeschichte, Heft 18], Sankt Augustin 1993, S. 37-41 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S01B 18A).
Lahr, Hans: Vor 60 Jahren: Hochwasserführende Sieg zog Fährmann, Lehrer und zwei Schüler in die Tiefe, in: Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Beiträge zur Stadtgeschichte, Heft 47, Sankt Augustin 2008, S. 169-173 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S01B 47A).
Ossendorf, Karlheinz: Hol über - die Sieg. Fähren der Bürgermeisterei Menden. Teil 1: Ober- und Niedermenden sowie Meindorf besaßen Gerechtsame [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Beiträge zur Stadtgeschichte, Heft 10], Sankt Augustin 1989, S. 57-65 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S01B 10A).
Scheiffarth, Engelbert: Das Amt Menden, Siegburg 1964, S. 49-52 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S Sche2).
Scheiffarth, Engelbert: Heimat- und Volkskunde des Amtes Menden (Rhld.), Siegburg 1951, S. 25-33 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S Sche1).
Scheiffarth, Engelbert: Schulchronik der Volksschule Meindorf, Band 1, Meindorf 1882-1962 (Stadtarchiv Sankt Augustin, SC 12).
Meindorf. unser Dorf gestern und heute, online unter: https://www.wippenhohn.net/meindorf/ (abgerufen am 10.08.2025).
Gierseilfähre Sankt Adelheid zwischen Bergheim und Geislar. Historische Siegfähre in der Nähe der Rhein-Sieg Mündung, in: KuLaDig. Kultur.Landschaft.Digital, online unter: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-62562-20130318-3 (abgerufen am 19.09.2025).

Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin: