Kirchenwüstung – Alte Kirche Menden
Geschichte
Bei archäologischen Ausgrabungen in den Jahren 1986/87 wurde festgestellt, dass der Kirchenhügel künstlich angelegt wurde, vermutlich um eine hölzerne Vorgängerkirche aus dem 7. Jahrhundert vor Hochwasser zu schützen. Um 1200 wurde auf dem Hügel eine Steinkirche aus Wolsdorfer Brocken im romanischen Stil erbaut. Sie wurde mehrfach umgebaut und erweitert und war von einem Friedhof umgeben.
1869 wurde durch ein Hochwasser ein Teil des Kirchenhügels abgetragen. Die oberen Stockwerke des dadurch beschädigten Turms mussten nach Renovierungsversuchen und einem Blitzeinschlag 1872 auf behördliche Anweisung entfernt werden. Ein Kirchenneubau an der Kirchstraße, die Grundsteinlegung erfolgte 1890 mit einem Stein der alten Kirche, wurde 1892 geweiht und ist bis heute in Gebrauch. Das alte, entweihte Gotteshaus wurde 1898 niedergelegt und nach Siegburg verkauft, die Steine wurden zur Restaurierung der Servatiuskirche verwendet. Auf dem Mendener Kirchenhügel als Denkmal erhalten blieb lediglich ein Teil der Kirchenwand mit dem 1822 von Pfarrer Cornelius Sugg gestifteten Missionskreuz. Außerdem ließ man die Grabplatte von Gottfried von Proff (1673-1691 Besitzer der Burg Menden) zunächst am Boden vor, später in dieser Wand ein.
1920 wurde auf Anordnung der englischen Besatzung ein weiterer Teil des Kirchenhügels (samt Gräbern) abgetragen und zur Verfüllung des angrenzenden „Kirche-Spich“, eines Altarms der Sieg, verwendet, um einen großen Versammlungsplatz zu schaffen.
1935 wurde der wüst gefallene Mendener Kirchenhügel zu einem Ehrenmal umgestaltet. Im Gedenken an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges aus Menden wurden eine steinerne Soldatenfigur mit Blickrichtung zur Sieg vor der alten Kirchenwand aufgestellt und Steinplatten mit den Namen der Gefallenen angebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg erweiterte man das Ehrenmal um die Namen der Gefallenen dieses Krieges.
1973 erfolgte eine Umgestaltung des Ehrenmals: Die Soldatenfigur, die Reste der alten Kirchenwand und das Missionskreuz wurden entfernt. Stattdessen wurden ein neues Kreuz errichtet und die Steintafeln mit den Namen der Gefallenen in flache, halbkreisförmig um das Kreuz angeordnete Betonbänke eingelassen.
Im Zuge der umfangreichen archäologischen Ausgrabungsarbeiten am alten Kirchenhügel 1986/1987 wurde das Ehrenmal vollständig beseitigt. Die Steinplatten mit den Namen der Gefallenen wurden eingelagert und später in der Leichenhalle des sogenannten „Alten Friedhofes Menden“ an der Ecke Burgstraße/Mittelstraße angebracht. Die Grabplatte Gottfrieds von Proffs wurde in die neuen Pfarrkirche übernommen.
Daten
Karte
Referenz
Henseler, Paul: Der verschwundene Soldat oder der Umgang mit dörflichen Denkmälern der Zeitgeschichte, in: Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Beiträge zur Stadtgeschichte, Heft 33, Sankt Augustin 1999, S. 43-76 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S01B 33A).
Henseler, Paul: Der Weinberg des Herrn. Die Geschichte der Kirche zum Hl. Augustinus und der Pfarre Sankt Augustin-Menden, Sankt Augustin 1985
(Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S08B Mend3).
Knopp, Gisbert: 800 Jahre Mendener Geschichte sichtbar machen, in: Stadt Sankt Augustin (Hg.): Punkt. Informationen. Meinungen aus der Gemeinde Sankt Augustin, Heft 3, Sankt Augustin 1987, S. 14f.
(Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S01A 1987-1990).
Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin:






