Burg Niederpleis

Geschichte

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Burg Niederpleis war (neben Burg Menden) einer der zwei mittelalterlichen Rittersitze im heutigen Stadtgebiet. Die gesamte Region fiel im Mittelalter an die Grafschaft (seit 1380 Herzogtum) Berg. Die Bauzeit der ersten Burg lässt sich nicht mehr exakt datieren. Als ursprünglicher Standort kann auch die ca. 800 m südlich des heutigen Gebäudes liegende Niederungsmotte vermutet werden. Eine Motte (von französisch „motte“ = „Klumpen“, „Erdsode“) war ein vorwiegend in Holzbauweise errichteter mittelalterlicher Burgtyp, dessen Hauptmerkmal ein künstlich angelegter Erdhügel mit einem meist turmförmigen Gebäude war.

Der adlige Stand der Besitzer von Burg Niederpleis am neuen Standort ist mindestens seit dem 14. Jahrhundert eindeutig nachweisbar. 1464 wird ein Gut zu Niederpleis im Zusammenhang mit einer gerichtlich angeordneten Hinterlassenschaft urkundlich erwähnt, in der das Gut aus dem Besitz des Heinrich von Ossendorf an den Junker Wilhelm von Landsberg übergeht, in dessen Familie es bis zum kinderlosen Tod des Ludwig von Landsberg zwischen 1557 und 1559 verblieb. Über dessen Halbschwester kam der Besitz an Jost von Lüninck, der sich als Erster „Herr von Niederpleis“ nannte. Burg Niederpleis blieb bis zum Jahr 1752 im Besitz der Familie von Lüninck (später auch in der Schreibweise „von Lüning“). Wirtschaftliche Schwierigkeiten waren es unter anderem, die nach fast 200 Jahren im Familienbesitz Johann Wilhelm Freiherr von Lüning, Herr zu Niederpleis, im Jahr 1752 veranlassten, mit der Abtei Siegburg den „Rittersitz Niederpleis“ gegen „die Herrschaft Euenheim und Wißkirchen und den Hof zu Rödingen, vorher der Hompesche Hof genannt“ zu tauschen. Zum Rittersitz gehörten damals auch der Schmerbroicher Hof und die Mühle am Pleisbach.

Mit der durch den Reichsdeputationshauptschluss vom 25.2.1803 verbundenen Säkularisation (d.h. die staatliche Einziehung bzw. Nutzung kirchlicher Besitztümer) wurde die Abtei Siegburg am 12.9.1803 aufgehoben. Die Gebäude und Güter der aufgehobenen Stifte, Abteien und Klöster wurden der Verfügungsgewalt der Landesherren unterstellt, damit ging auch Burg Niederpleis wieder in weltlichen Besitz über. Durch die Neuordnung Europas nach dem Wiener Kongress 1815 gelangte die Burg in preußischen Besitz und wurde am 6.12.1827 „mit allen der bis dahin zu dem Rittersitz gehörenden und sie umliegenden Ländereien“ an Clara Kallberg verkauft. Nach verschiedenen weiteren Eigentümerwechseln erwarb in den 1920er Jahren Anton Nordhorn das Anwesen, dessen Familie Burg Niederpleis bis heute besitzt.

Das heutige Gebäude wurde um 1870 errichtet. Genaue Aufzeichnungen fehlen, jedoch ist eine Flurkarte aus dem Jahr 1826 überliefert, in die 1872 Gebäude farblich eingezeichnet wurden, was auf einen Neubau in dieser Zeit schließen lässt. Bis auf den ursprünglichen Ostflügel, der 1972 einer Tierhalle weichen musste, ist das Gebäude bis heute in seiner ursprünglichen Struktur erhalten geblieben.

Bearbeiter
Jürgen Schaschek

Daten

Karte

Burg Niederpleis, 1, Langstraße, Schinnerei, Niederpleis, Sankt Augustin, Rhein-Sieg-Kreis, Nordrhein-Westfalen, 53757, Deutschland

Referenz

Quellen
Adolphs, Heinrich: Die Burg Niederpleis [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Beiträge zur Stadtgeschichte, Heft 3], Sankt Augustin 1984 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI / S22G Burg1).
Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland, AA 0504 / Siegburg, Urkunden AA 0504, Nr. 1055.
Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin: