Standort der ehemaligen Gaststätte „Zur Siegfähre“
Geschichte
Das wohl aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts stammende traufständig orientierte Fachwerkgebäude mit Dreiecksübergiebelung und Bestückungsluke wurde ursprünglich als Wohnhaus einer vierflügeligen Hofanlage, unter der Bezeichnung Obermenden Nummer 57 erbaut. Es wurde zweistöckig in Stockwerkbauweise errichtet und enthielt neun Zimmer.
Das Gebäude war zunächst bis etwa 1842 im Besitz der Familie Oberdörfer. Mathias Oberdörfer stellte um 1837 den Konzessionsantrag zur Beherbergung von Fuhrwerk.
Zur Hofanlage, an der damaligen Ecke Feldstraße/Ortsstraße gelegen, gehörten noch eine Scheune und weitere Nebengebäude, so dass man Fuhrwerke und ihre Fahrer geeignet beherbergen konnte. Die nahe Eisenhütte im Ortsteil Friedrich-Wilhelms-Hütte sorgte für genügend Durchgangsverkehr und Bedarf an Restauration.
Danach wurde sie von Peter Hochheuser (damals Ortsvorsteher) weitergeführt, der 1851 einen Antrag zum Betrieb einer Schenk- und Gastwirtschaft stellte. Im Antrag ist die Rede vom „ansehnlichsten Haus in Obermenden“. Hochheuser verkaufte das Haus 1888 schuldenhalber an Johann Könsgen, behielt aber lebenslanges Wohnrecht.
Könsgen, der zuvor seit 1886 eine andere Wirtschaft in der gleichen Straße (Haus Nr. 96) geführt hatte, verlegte seine Schankerlaubnis nun in das besser geeignete Gebäude. Das Haus entwickelte sich schnell zu einem für das Vereins- und Ortsleben attraktiven Lokal. Könsgen leitete die Gaststätte 55 Jahre lang bis 1943 sehr erfolgreich und verstand es nicht zuletzt, die beiden gerade erst entstandenen Fußballvereine an sich zu binden. Neben Karnevalsfeiern, Handwerkertreffen, Stenographentreffen oder ähnlichen Zusammenkünften fanden hier auch Bauernversammlungen und Versteigerungen statt. Ausgedehnte Feierlichkeiten führten immer wieder auch zu polizeilich aktenkundigen Beschwerden.
Daneben richtete Johann Könsgen schon früh einen kleinen Schalter für den "Verkauf von Getränken über die Straße" ein. Erzählungen seiner Tochter zufolge kamen die Mendener mit großen Behältern oder Krügen ins Haus oder zum Verkaufsfenster, um Bier für daheim zu holen. Außerdem durfte er, seit einem Rechtstreit 1936, zusätzlich zur Gastwirtschaft, seine vorher schon inoffiziell betriebene Gartenwirtschaft in der damaligen Hindenburgstraße 80 weiter betreiben.
Noch vor 1935 richtet seine Tochter Maria Könsgen im Erdgeschoss des Hauses ein kleines Bekleidungsgeschäft ein, wofür das Fachwerkgefüge unterbrochen wurde. Aus diesem Geschäft entstand im Laufe der Zeit ein Imbiss.
Die Gaststätte wurde nach dem Zweiten Weltkrieg unter häufig wechselnden Namen bis zu einem verheerenden Brand im Oktober 2024 weitergeführt. Weitere Namen der Gaststätte im Laufe der Zeit: „Zur neuen Siegbrücke“, „Dama d’ Oro“ , „Sheriff“ , „Landhaus Menden“ , “Restaurant Steingarten“ „Steakhouse El Toro“ und „Pizzeria La Mama“.
Daten
Karte
Referenz
Stadt Sankt Augustin (Hg.): Denkmalpflege in Sankt Augustin (Städtebau im Gespräch, Bd. 3), Sankt Augustin 1990 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S02A Denk1A)
Mündliche Berichte von Margaretha Holtorf, geb. Könsgen, einer Tochter von Johann Könsgen
Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin:









