Ehemaliger Bahnhof Niederpleis der Bröltalbahn
Geschichte
Wo Kinder heute auf dem Gelände der Kindertageseinrichtung „Alter Bahnhof“ miteinander spielen, herrschte vor 100 Jahren reger Bahnverkehr.
Der Transport von Eisenerz aus der Grube in Ruppichteroth zur Friedrich-Wilhelms-Hütte in Troisdorf war mühsam. Aus diesem Grunde ließ der damalige Generaldirektor des Eisenhüttenunternehmens, Emil Langen, eine Schmalspurbahn von Hennef nach Ruppichteroth bauen, um den benötigten Rohstoff in sein Werk zu transportieren. Ursprünglich als Pferdeeisenbahn betrieben, fuhr am 25. April 1863 die erste Dampflok durchs Bröltal. Die Strecke war die erste Schmalspurbahn des öffentlichen Verkehrs in Deutschland. Um den Betrieb auch in der Folgezeit wirtschaftlich zu gestalten, wurde zusätzlich neben dem Güterverkehr auch ein Personenverkehr eingerichtet. Aus Gründen der Kapitalbeschaffung wurde die bisherige Commandit-Gesellschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und firmierte seit 3. Februar 1869 unter dem Namen Brölthaler Eisenbahn-Actien-Gesellschaft, die ihren Sitz zunächst in Köln und dann in Hennef hatte. 1885 übernahm das Bankhaus Sal. Oppenheim zusammen mit der Disconto-Gesellschaft die Bahn. Das Interesse der neuen Investoren galt vor allem dem lukrativen Basalttransport. Mit der Übernahme der Bröltalbahn durch das Bankenkonsortium begann auch der Ausbau des Gleisnetzes: Am 1. Dezember 1891 wurde die Strecke von Hennef über Buisdorf, Niederpleis und Hangelar nach Beuel eröffnet und damit erhielt auch Niederpleis einen Bahnhof. Das jetzige Gebäude dürfte spätestens 1894 fertiggestellt worden sein.
Die Bedeutung des Bahnhofs nahm weiter zu, als in den folgenden Jahren neue Strecken in Betrieb genommen wurden: Niederpleis – Birlinghoven – Oberpleis (7. Mai 1893) und Niederpleis – Mülldorf – Siegburg (1. Mai 1899). Hierdurch wurde der Niederpleiser Bahnhof zu einem wichtigen Knotenpunkt im insgesamt 87,3 km langen Schienennetz der Bröltalbahn.
Bereits seit den 1920ern entstand der Bahn neue Konkurrenz auf der Straße. Linienbusse waren deutlich wirtschaftlicher zu betreiben und konnten zudem auch andere, höher gelegene Ortschaften anfahren. Die Bedeutung des Schienenverkehrs ging merklich zurück und führte sukzessive zur Einstellung des Betriebs. So wurde der Personenverkehr auf den Strecken Siegburg – Oberpleis und Hennef – Beuel im Sommer 1951 eingestellt. Der Güterverkehr wurde zunächst weiter fortgeführt, die letzten Züge fuhren am 1. Oktober 1962 nach Oberpleis und am 17.5.1967 nach Beuel.
Das Empfangsgebäude des Bahnhofs wird heute als Kindertageseinrichtung genutzt.
Der traufständige, zweigeschossige Ziegelbau mit teilweise ausgemauertem Fachwerk und einem mit einer Überdachung versehenen Balkon im ersten Obergeschoss ist mit einem Krüppelwalmdach abgedeckt und verfügt an der Westseite der Straßenfront über einen Eckrisalit, der mit einem verschieferten Spitzgiebel abschließt.
Daten
Karte
Referenz
Clößner, Wolfgang/Carsten Gussmann: Die Rhein-Sieg Eisenbahn. Pionier der deutschen Schmalspurbahnen, Berlin 2017 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI 07FA Cloe1C)
Wikipedia „Bröltalbahn“
General-Anzeiger Bonn 21.08.2018: „Alois Richarz erinnert sich an die Bröltalbahn der 1930er“
Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin:



