Altes Pastorat Niederpleis

Geschichte

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Der traufständige, zweigeschossige, fünfachsige, verputzte Backsteinbau mit Satteldach wurde 1848 errichtet und diente bis 1966 als Pastorat (Pfarrhaus) der katholischen Pfarrgemeinde Niederpleis.

Nach einer grundlegenden Renovierung, insbesondere der Innenräume, wurde das Gebäude ab 1968 als Wohnhaus für den Kaplan genutzt, weshalb es von den Angehörigen der Pfarrgemeinde auch als Kaplanei bezeichnet wird.

Der Pfarrer wohnte seit 1966 in dem 1965/66 in unmittelbarer Nachbarschaft errichteten neuen Pfarrhaus (Alte Marktstraße 45), das im Herbst 2025 vollständig niedergelegt wurde.

Die sich auf dem horizontalen Teil der steinernen Rahmung der Eingangstür befindende Inschrift lautet:

PAX · INTRANTIBUS · SALUS · EXEUNTIBUS
18 · I · N · R · I · 48

Übersetzung: „Friede den Eintretenden / Wohlergehen den Hinausgehenden“. Darunter: „I·N·R·I“ als Abkürzung für: „Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum“ = „Jesus von Nazaret, König der Juden“; die Zahlen links und rechts neben der Abkürzung (18 und 48) stehen für das Jahr der Errichtung: 1848.

Im Inneren befand sich bis zu der im Jahr 1968 stattgefundenen Renovierung eine teilweise farbige Bleiverglasung mit einer Darstellung des Wappens von Georg Christoph von Hagen (+ 1762), der von 1735 bis 1762 der Reichsabtei Siegburg als Abt vorgestanden hat. Die Verglasung stammt sehr wahrscheinlich aus dem bis in das erste Viertel des 19. Jahrhunderts westlich des alten Friedhofs gelegenen Abtshof, der bis zur Säkularisation (1803) zur Reichsabtei Siegburg gehörte und der Schafzucht diente. Von 1968 bis 2025 befand sich die Verglasung im neuen Pfarrhaus (Alte Marktstraße 45). Vor dessen Abriss im Jahr 2025 wurde die Verglasung dort ausgebaut und sichergestellt.

Hinter dem alten Pfarrhaus befanden sich mehrere Wirtschaftsgebäude (Scheune, Stall usw.), die zur Versorgung des Pfarrers dienten, und um 1900 vollständig niedergelegt wurden.

Das erste bekannte Pfarrhaus der Pfarrgemeinde Niederpleis befand sich östlich der Kirche, unmittelbar hinter der Friedhofsmauer, an der alten Straße zwischen Niederpleis und Buisdorf. Dieses zu einem unbekannten Zeitpunkt errichtete Gebäude war spätestens seit den 1830er Jahren stark sanierungsbedürftig und schließlich so baufällig, dass man sich 1847 zur Errichtung eines neuen Pfarrhauses entschloss. Das alte Pfarrhaus wurde 1848/49 an den aus Oberkassel bei Bonn stammenden Kaufmann Gabriel Becker (1817–1901) veräußert, der es nahezu vollständig niederlegte und an gleicher Stelle eine Gastwirtschaft mit angeschlossener Kolonialwarenhandlung errichtete. Später ging hieraus der als „Beckershof“ bekannte landwirtschaftliche Betrieb hervor, der 1979 dem Ausbau der Autobahn 560 weichen musste.

Bearbeiter
Mike Bargel

Daten

Karte

47, Alte Marktstraße, Schinnerei, Niederpleis, Sankt Augustin, Rhein-Sieg-Kreis, Nordrhein-Westfalen, 53757, Deutschland

Referenz

Quellen
Hartleib, Robert: Das Kirchspiel Niederpleis, Siegburg 1986, S. 70-75, 88 f. u. 202 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S Hart1A)
Heimatgeschichtlicher Arbeitskreis/Stadtarchiv Sankt Augustin (Hgg.): Sankt Augustin – Dörfer werden eine Stadt, Siegburg 1989, S. 64 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S Dorf1A)
Maaßen, German Hubert Christian: Geschichte der Pfarreien des Dekanates Königswinter (=Geschichte der Pfarreien der Erzdiöcese Köln, Band XXVIII), Köln 1890, S. 461 f. (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, 08D Dumo28A)
Ossendorf, Karlheinz: Tanzsaal über dem Pferdestall – Die Gast- und Schankwirtschaften der Bürgermeisterei Menden im 19. und 20. Jahrhundert, Teil 3: Niederpleis mit Schmerbroich und Birlinghoven [=Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg): Sankt Augustin – Beiträge zur Stadtgeschichte, Band 32], Siegburg 1999, S. 45-47 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S01B 32A)
Stadtarchiv Sankt Augustin, Akte: „Nachweisung über den Neubau und die Hauptreparaturen an Kirchen und Schulen in Menden, Niederpleis, Hangelar und Siegburg-Mülldorf (1830–1894)“ (Stadtarchiv Sankt Augustin, ME, W12)
Stadtarchiv Sankt Augustin, Akte: „Verhältnisse und Besetzung der Pfarrstellen (1830–1889)“ (Stadtarchiv Sankt Augustin, ME, W 4)
Stadt Sankt Augustin (Hg.): Denkmalpflege in Sankt Augustin (Städtebau im Gespräch, Bd. 3), Sankt Augustin 1990, S. 57 u. 59 f. (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S02A Denk1A)
Vogt-Werling, Marianne/Werling, Michael: Denkmalpflegeplan für die Stadt Sankt Augustin [= Stadtarchiv Sankt Augustin (Hg.): Geschichte in Sankt Augustin, Band 2], Sankt Augustin 2017, S. 104 u. 534 (Stadtarchiv Sankt Augustin, BI, S01C 2A)

Die genannte Literatur sowie weitere Informationen finden Sie im Stadtarchiv Sankt Augustin: